Waldseer Grenzgang

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Abschnitt 1, die gemeinsame Grenze mit Aulendorf

Wir beginnen die Wanderung am Bahnhof Durlesbach. Dieser liegt zweifelsfrei noch auf dem Stadtgebiet von Bad Waldsee, denn die Grenze zur Nachbargemeinde Wolpertswende verläuft hier mitten in der Schussen und diese fließt einige Meter hinter den Bahngleisen der Südbahn. Immerhin knapp vier Kilometer der Südbahn, die sich hier durchs Schussental schlängelt, befinden sich auf Waldseer Hoheitsgebiet. Am Bahnübergang überqueren wir die Schussen.

Wir folgen ihrem Lauf entlang des westlichen Ufers schussenaufwärts bis zu den Kraftwerken von Eisenfurt. Auf einen Steg kann die Schussen, ein Kraftwerkskanal und schließlich auch die Eisenbahnstrecke gequert werden. Das Kraftwerk in Eisenfurt war eines der ersten Überlandwerke in Württemberg. Bereits um 1900 nahm das Elektrizitätswerk Waldsee-Aulendorf den Betrieb auf und versorgte die Bewohner von Waldsee, Reute, Steinach, Aulendorf und Gaisbeuren mit Strom. Die Wasserkraft stammt aus der Steinach, die bei Eisenfurt gestaut wird und dann durch einen Hangkanal und eine Rohrleitung den Turbinen zugeführt wird. Das Kraftwerk ist noch immer in Betrieb. Die Stadtgrenze folgt nun der in einem Tobel fließenden Steinach hinauf zum Stausee. Wir folgen bei der Wanderung jedoch dem künstlichen Kanal und finden im Wäldchen unterhalb des Staussees Relikte der alten Landstraße von Reute nach Aulendorf.

Damit liegt nun auch die einzige Steigung dieser Wanderung hinter uns. Der Weg führt weiter durch Untermöllenbronn (Bad Waldsee) und Tannweiler (Aulendorf). Die zwei Ortsteile sind eigentlich zusammen gewachsen und wären an der Brücke über die Steinach nicht die zwei Ortsschilder würde die Stadtgrenze wohl niemanden auffallen. Über die Felder zwischen Tannweiler und Obermöllenbronn verläuft die Grenze und damit auch die Wanderung weiter dem Waldrand zu.

Längere Zeit folgt nun die Grenze einem breiten Entwässerungsgraben, der parallel zur Straße von Steinach nach Möllenbronn, entlang des Riedes führt. Wir kommen vorbei an den ehemaligen Moorabbauflächen, in denen bis vor einigen Jahren der Badetorf für die Waldseer Kurkliniken abgebaut wurde. Diese Flächen gehören aber zu Aulendorf und befinden sich im Landschaftsschutzgebiet Steinacher Ried durch das die Wanderung nun führt. Speziell für die Wanderung der Volkshochschule wurde füreinen Tag eine provisorische Brücke zur Überquerung des Entwässerungsgrabens errichtet. Als Alternativroute bietet sich hier die Wanderung auf der Straße an. Wir folgen nun eine Weile dem Torfweg um nach einigen weglosen Passagen über den Riedmeckerlesweg schließlich die Moorwiesen mit Blick auf Steinach zu erreichen. Hier rückt die Grenze nach Aulendorf also tatsächlich bis auf 800 Meter an die Bebauung von Steinach heran.

Über den bekanntesten Riedweg, den Rothausweg verlassen wir die Moorwiesen, dringen wieder in den Wald ein und folgen erneut einem Entwässerungsgraben. Wir schlagen uns durch den Wald und kommen südlich von Haslanden auf abgelegenen Wiesen wieder in landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Bei Schlupfen (liegt übrigens auf Waldseer Gebiet, während das Herdtle zu Aulendorf gehört) queren wir die Allgäubahn und folgen nun dem Schlupfenbach. In den Feuchtwiesen nördlich der Landesstraße, gespeist vom Urwald, hat der Bach seinen Ursprung.

Der Bewuchs erlaubt es nicht dem Schlupfenbach und der Grenze durchgehend zu folgen, aber beim Elchenreuter Kiesweiher trifft unsere Wanderroute wieder auf die Stadtgrenze. Hier bietet sich ein Abstecher in die nahe gelegene Waldwirtschaft Hofgut Elchenreute an.

Die Grenzwanderung führt entlang dem Naturdenkmal Elchenreuter Kiesweiher und folgt noch einmal dem Schlupfenbach, bis wir das Naturschutzgebiet Haslacher Weiher erreichen. Dieses Zeugnis historischer Weihernutzungsform mit seinen Verlandungszonen ist Lebensraum und Rückzugsgebiet einer artenreichen und gefährdeten Tier- und Pflanzenwelt, wie es in der entsprechenden Naturschutzverordnung heißt.

Jetzt verlassen wir den Wald, überqueren die Landstraße und begeben uns in das Waldgebiet zwischen Elchenreute, Haslach, Lippertsweiler und Michelwinnaden. In diesem sumpfigen, schlecht erschlossenen Wald gibt es kaum Orientierungspunkte, die es ermöglichen, der Stadtgrenze zu folgen. Von daher empfiehlt es sich, die Walddurchquerung auf den befestigten Wegen zu versuchen. Hier im Wald finden sich einige Toteislöcher und wir überqueren die europäische Hauptwasserscheide, an der die oberflächlich abfließenden Wasser zwischen Schussen und Riss, zwischen Rhein und Donau, zwischen Atlantik und Mittelmeer getrennt werden. In der Nähe von Hinterweiherhaus (Aulendorf) kommen wir wieder aus dem Wald heraus und sehen den Kirchturm von Michelwinnaden.