Nachdenkliches im Zusammenhang mit dem Jakobsweg

Themen:

Wahrer Jakobsweg in Spanien
Wo läuft der Jakobsweg - dort wo der Wanderer läuft oder der Radler radelt ?
Fuß, Fahrrad oder Flugzeug ?
Ablehnung von Radpilgern
Der Weg ist das Ziel
Am Ziel in Santiago

Wahrer Jakobsweg in Spanien

Nachdenklich stimmt mich auch immer wieder Diskussion um den sogenannten wahren Jakobsweg.

Wir haben die gesamte Strecke von Oberschwaben bis Santiago zurückgelegt. Immer wieder treffen wir auf Leute die sagen, sie wären auf dem wahren Jakobsweg gewesen, und meinen damit die letzten 800 km von den Pyrenäen bis Santiago. Ich denke, dass der Jakobsweg immer dort beginnt, wo ein jeder wohnt und im Idealfall in Santiago endet. Selbstverständlich ist es nicht jedem vergönnt, die 2-3000 km lange Strecke von Zuhause nach Santiago zu bewältigen. Jeder möge sich den Abschnitt aussuchen, der ihn am meisten anzieht.

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Wo läuft der Jakobsweg - dort wo der Wanderer läuft oder der Radler radelt ?

Auch eine interessante Frage, der ich im Zusammenhang mit dem Jakobsweg immer wieder begegne ist die Frage, ob wir den als Radpilger auch auf dem echten Jakobsweg unterwegs sind.

Sowohl in Oberschwaben, der Schweiz, wie auch in Frankreich ist der, oder besser ein Jakobsweg ausgeschildert und im Gelände markiert. Dieser orientiert sich im Verlauf an Wanderwegen, verkehrsarmen Strassen und versucht die Orte miteinander zu verbinden, bei denen eine Beziehung zur historischen Pilgerfahrt auf dem Jakobsweg vorhanden ist, bzw. belegt werden kann. Gerade die Wanderwege gehen oft auf landschaftlich schönen Trassen, welche aber nicht unbedingt immer die kürzeste und topografisch einfachste Verbindung darstellen.

An diesen Stellen (kurze und möglichst ebene Verbindung zwischen zwei Orten) befinden sich heute die Bundes- und Nationalstraßen, eben die Fernverkehrsstraßen. Diese haben sich oft aus historischen Wegen nach und nach "entwickelt" - zu immer leistungsfähigeren Verkehrswegen.

Wir haben als Radler versucht, auf Nebenstraßen in der Nähe des derzeit ausgeschilderten Jakobsweges zu fahren.

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Fuß, Fahrrad oder Flugzeug ?

Der immer wieder gern gemachte große Vergleich mit dem Mittelalter, als es noch die echten Pilger gab, ist aus mehreren Gründen müßig.

Wie oben schon angeführt, führte der Jakobsweg vom Heimatort nach Santiago UND wieder zurück (sofern man es überlebte). Man nutzte die Fortbewegungsmittel die zur Verfügung standen. Dies waren überwiegend die Füße, aber auch Schiffe, Karren, Sänften und Pferde - alles unter der Annahme, dass man es sich leisten konnte.

Es war also ein Unding, nur den spanischen Teil des Jakobsweges zu gehen, wenn man nicht gerade aus den Pyrenäen stammte.

Inzwischen haben sich aber die Zeiten geändert. Heute könnten es sich vmtl. die meisten Pilger leisten, mit dem Flugzeug nach Santiago zu reisen, oder zu mindestens mit dem eigenen Wagen. Ich glaube beobachtet zu haben, dass die Pilger unterwegs eher aus der mittleren bis oberen Bevölkerungsschicht sind, als aus den sozial benachteiligten Schichten.

Da aber der Sühnegedanken noch nicht ganz aus unseren Köpfen verschwunden ist und es zudem viele weitere gute Gründe für den Verzicht auf Flugzeug und Kraftfahrzeug gibt, entscheiden sich die heutigen Pilger überwiegend für die Fußpilgerei oder das Pilgern mit dem Fahrrad.

Für das Radpilgern haben bei mir folgende Gründe gesprochen: - ich bin glücklicherweise berufstätig. Bei regelmäßiger Nutzung von 2-4 Urlaubswochen können immer nur kleine Stücke des Jakobsweges bewältigt werden. Als Fußpilger müsste ich ab meiner Heimat in Oberschwaben ungefähr zehn Jahre immer ein kleines Stück auf dem Jakobsweg pilgern. Auf solange Zeit möchte ich mich jedoch mit meinem Jahresurlaub nicht festlegen.

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Ablehnung von Radpilgern

Nachdem wir inzwischen auch den spanischen Teil des Jakobsweges befahren haben, habe ich in der Praxis keine Ablehnung als Radpilger erfahren. Wir waren allerdings im zeitigen Frühjahr unterwegs - und da gab es noch kein Gerangel um Plätze. Auch kann ich sehr gut mit der Regelung leben, dass Radpilger in der Saison in den Refugios eben das Nachsehen haben. Dies ist eine klare Sache und da kann man sich dann darauf einstellen.

Als Jakobsweg interessierter Internet-Nutzer besuchte ich auch die Seiten der Deutschen Jakobusgesellschaft mitsamt dem Gästebuch. Im Gästebuch konnte man dort seinerzeit schon einmal Beiträge lesen, die sich jedoch ganz massiv gegen die Radpilger wendeten. Ich möchte hier ausdrücklich betonen, dass die Beiträge von Gästen im Gästebuch waren und nicht von der Deutschen Jakobusgesellschaft auf deren Homepage diese Einträge zu finden sind.

Mich hat die dort geäußerte Ablehnung verletzt und es stimmt mich traurig, mit welcher Intensität hier die Radpilger abgelehnt werden, ihnen geradezu das Recht dem Jakobsweg als Radpilger zu folgen, zum Teil abgesprochen wird. Irgendwie sind diese Beiträge für mich jedoch befremdlich, zumal es ja offiziell Pilgerausweise für Fußpilger, Radpilger und Pilger zu Pferde gibt.

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Der Weg ist das Ziel

Mit keiner Pilgerfahrt, wie der auf dem Jakobsweg, wird dieser Satz so oft gebraucht. Unsere Erlebnisse über drei Etappen und nahezu 2500 Kilometer mit Rad können ihn jedoch nicht uneingeschränkt bestätigen.

Für die ersten beiden Etappen würden wir diesen Satz sicher noch voll unterstreichen. Es war einfach faszinierend quer durch Länder zu radeln, zu wissen "wir wollen nach Santiago". Es war klar, dass wir auf diesen beiden Etappen Santiago nicht erreichen werden. Es galt ganz einfach den Weg, der unser Jakobsweg war, zu befahren. Dabei haben wunderschöne Landschaften, beeindruckende Sehenswürdigkeiten und ab und zu auch nette Bekanntschaften gemacht.

Ganz anders verhielt es sich da dann auf der dritten Etappe. Dabei wollten wir Santiago erreichen - und das war dann auch in den Gedanken das Ziel. Der Weg war zwar nicht minder interessant, die Sehenswürdigkeiten nicht minder beeindrucken, Bekanntschaften gab jetzt mehr und zum teil auch intensivere, aber Santiago war in Reichweite gerückt. Der Segen Jakobus vorrausgesetzt, war es auf dieser Etappe zu erreichen.

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Am Ziel in Santiago

Die unbeschreibliche Freude (Monte del Gozo) haben wir nicht empfunden, als wir das Ziel erreicht haben.

Es waren da eher zwei Dinge - zum einen die Erleichterung es geschafft zu haben, zum anderen aber auch eine gewisse Leere, da jetzt ein Ziel fehlte auf das wir nahezu sechs Jahre insgesamt hingearbeitet haben. Was uns jedoch bewusst wie selten war, war eine große Dankbarkeit diese Reise quer durch halb Europa gesund bewältigt zu haben.

Dazu kam, dass wir keine Panne mit dem Fahrrad hatten und in insgesamt 50 Fahrtagen nur an zwei Tagen Dauerregen hatten.

Dies alles zusammen betrachtet lässt uns zum Schluss kommen, dass wir sehr wohl unter dem Schutz von Jakobus gestanden haben - und zwar während der ganzen Tour. In den Jahren 1999 und 2001 sah es nicht immer so aus, als ob wir tatsächlich noch Santiago erreichen würden, wozu wir 1998 aufgebrochen waren. Massive gesundheitliche Probleme verhinderten in diesen Jahren eine Fortsetzung unserer Pilgerfahrt.

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