Sei ein Cleverle! – Die Zukunft der Arbeit
Hat die Arbeit eine Zukunft und welche Faktoren beeinflussen diese Zukunft? Ein spannender Aspekt auf den Prof. Dr. Bernd Nolte beim Wirtschaftsimpuls Antworten lieferte.
Die Wirtschaftsförderung Bad Waldsee und das Unternehmerforum haben bestellt und Professor Dr. Bernd Nolte hat geliefert – einen spannenden, einstündigen Vortrag rund um den Themenkomplex „Die Zukunft der Arbeit“, der aufhorchen ließ und für viel Gesprächsstoff im anschließenden Dialog der rund 60 anwesenden Unternehmer und Gemeinderäte sorgte. Für Nolte das täglich Brot, verfügt der kreative Kopf einer Consulting Agentur doch über langjährige Erfahrung in der Forschung, in Entwicklungs- und Transferprojekten, im Bankenwesen und selbstredend auch als Universitätsdozent. Gerade von letzterem konnten die Zuhörer profitieren, denn sein Vortrag war strukturiert, bot viele Aha-Erlebnisse, Momente zum Schmunzeln und überraschte mit teilweise steilen Thesen, die vielleicht im stillen Kämmerlein gedacht, aber niemals offen ausgesprochen wurden.
Die Atmosphäre im Haus am Stadtsee was entspannt. Die Jazzcombo 4play hatte sich im Saal platziert und ihre Melodien umflossen dezent die Gäste, die sich zum Smalltalk in kleinen Grüppchen um die locker aufgestellten Stehtische zusammen fanden. Ideale Netzwerkatmosphäre vor und nach dem thematischen Vortragsteil im Zentrum des Abends. Oberbürgermeister Matthias Henne hatte die Gäste begrüßt, Ingrid Wöflingseder vom Unternehmerforum führte in das Thema ein und Jule Wessely stellte sich als neue Mitarbeiterin für Bereich Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung vor. Danach war die Bühne frei für Prof. Nolte, der sich zum einen freute, ungehindert seine schwäbische Muttersprache gebrauchen zu können und gleich zu seinem beruflichen Hintergrund verriet „Geld verdient man in der Beratung, Erkenntnis gewinnt man in der Forschung“. Im Fokus seiner Forschungen steht die Arbeit als solche in unterschiedlichen Kulturen und Gesellschaftsformen. Dabei sei offensichtlich, dass wir begünstigte Voraussetzungen haben, was uns für alle anderen attraktiv mache. Das galt bis dato, aber gravierende Änderungen finden statt und das nicht nur in den USA. Nolte spricht von einer Eisschollenstruktur, die sich völlig unkontrolliert verschiebt. Es gibt soziokulturelle Umbrüche, wirtschaftliche Umbrüche und technologische Umbrüche. Traditionierte Blöcke wie die G7 Staaten haben ihre Rolle verloren. Jetzt laufe der „Wettbewerb der Besessenen“ und wer nicht mitspielt, der fliegt aus dem System raus, attestiert Nolte. Dass dabei manches zu Bruch gehen wird ist unvermeidbar. Beispiel Trump: Seine Intelligenz sei brillant, aber wir bekommen ein absurdes Theaterstück zu sehen, bei dem wir am Ende die Verlierer sein könnten beschreibt Nolte die neue Weltordnung seit dem Machtwechsel in den USA. Letztlich gehe es in den USA um die Teilhabemöglichkeit des unteren Drittels am gesellschaftlichen Leben und deshalb habe die „Rückholung von Arbeitsplätzen“ diese hohe Priorität in den USA. Die Situation der EU vergleicht Nolte mit der spätrömischen Dekadenz, die nicht mehr im Stande war, ihren Wohlstand und ihre Kultur zu verteidigen. Wirtschaftsdaten belegen, die EU steige langsam aber sicher aus den hochentwickelten Volkswirtschaften nach unten ab. Man könne nur das verteidigen was da ist. „Ist der heilige Martin nackt, kann er auch keinen Mantel teilen“ wurde Nolte deutlich. Weiteres Augenmerk in seiner schonungslosen Analyse fiel auf die Leistungsbereitschaft und das Bildungsniveau (die Kurve bei den 15-jährigen geht signifikant nach unten), auf das Thema Industriespionage (was macht der chinesische Student in deutschen Hightech Unternehmen?) und auf Extremismus durch Zuwanderungen bei gleichzeitiger Erkenntnis, dass ohne Zuwanderung Personal für die nicht KI-taugliche Arbeit knapp wird (Landwirtschaft, Pflege, Handwerk).
Klare Thesen stellt Nolte in den Raum: Nicht lieb und sympathisch sein, sondern gallig! Die DSGVO und korrektes Gendern bieten keine Lösungen! Jüngere werden länger arbeiten müssen! Alte dürfen nicht auf dem Abstellgleis geparkt werden! KI Roboter sind versierte und willige Jobkiller – oder fleißige und geschulte Partner! Nur wer integriert gewinnt! Die Chinesen bezeichnen die Krise als gefährliche Chance! Lerne listig zu sein oder gut schwäbisch – sei ein Cleverle!
Das man weniger problemorientiert sondern mehr lösungsorientiert denken solle, scheint bei der Stadt Bad Waldsee bereits angekommen zu sein. OB Henne präsentierte im Anschluss an den mit starkem Applaus bedachten Vortrag noch einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen innerhalb der Stadt. Neben angestoßenen Projekten in den Bereichen Bildung, Bauen und Wohnen blickte Henne auch bereits auf das große Jubiläumsjahr 2026 und eine mögliche Landesgartenschau in Bad Waldsee.
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