Regenradar und königlicher Besuch – Erlebnisse am Altstadtfestsonntag
Die meiste Zeit war es am Altstadtfestsonntag trocken, doch der regelmäßige Blick auf den Regenradar der Wetterapp war unumgänglich. Ob unser Mitarbeiter den Sonntag trocken erlebt hat und welche königliche Hoheit er unterwegs getroffen hat, darüber wird hier berichtet.
veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung am 05.08.2025
Man kann es gleich vorneweg sagen, trocken geblieben ist der Mitarbeiter der Schwäbischen Zeitung am Sonntag nicht. Während des fünfstündigen Festrundgangs hat es zweimal geregnet. Glücklicherweise nicht allzu lang und glücklicherweise gab es auch schnelle Möglichkeiten sich ins Trockene zu retten. So ziemlich jeder Besucher, der am Sonntag auf dem Festgelände unterwegs war hielt in der einen Hand seinen Regenschirm fest umklammert und in der anderen fand sich oft das Smartphone auf dem die Wetterapp mit Regenradar zur Lieblingsanwendung des Tages avancierte. Die Besucher und die Veranstalter waren also vorbereitet und so bot sich beim Gang über den Flohmarkt auf der Bleichestraße ein Bild, das jeder Zeltstadt Ehre gemacht hätte. Unter einem dieser Zeltdächer bot Astrid Reitemann ihre vielbeachtete Gartendekoration an. Porzellankaffeekannen und andere Behältnisse waren so aufbereitet – neudeutsch würde man von upcycling reden – dass sie als ausgefallenes Gartendekor Verwendung finden. Das „Porzellan am Gestänge“ sei winterfest und sturmerprobt, so Reitemann. Stilistisch perfekt zur Flohmarktatmosphäre passte das Trio um die amtierende Hutkönigin Nicole Schmitz-Bernt, die im Stile der 30-er Jahre auf dem Flohmarkt unterwegs waren. Mit in Begleitung waren die beiden Neuwaldseer Sylvia Seifert und Ulrich Diederichs, die heuer ihr erstes Altstadt- und Seenachtsfest erlebten. Getroffen hat man die drei am Stand von Florian Becker der historische Arzneibehältnisse aus dem Bestand seiner Apotheke feilbot. Die Kauflust allerdings war durch die Wetterlage spürbar gehemmt, wie Händler Peter Stoll feststellte. Seit Jahren verkauft er in Bad Waldsee seine hochwertigen Antiquitäten und kann deshalb gute Vergleiche ziehen. Überhaupt kein Problem mit dem etwas labilen Wetter hatten die Dudelsackspieler der schottischen Wick RBLS Pipe Band, die am Wochenende in Bad Waldsee zu Gast war. Mister Gordon Tait erklärt gegenüber schwaebische.de dass er sich wohl fühle, weil sowohl die Temperaturen wie auch der Regen genauso sind, wie im heimischen Schottland.
Das kümmerte aber die Waldseer so gut wie gar nicht. Rebecca und Erkan waren bereits am Samstagabend auf dem Fest und auch am Sonntag ziehen sie wieder ihre Runden. „Es ist einfach die beste Fete in ganz Oberschwaben“ schwärmt Erkan und Rebecca ergänzt „Wir wollen auf jeden Fall die örtlichen Vereine unterstützen“. Neu im Reigen der Standbetreiber ist der Verein der Sportschützen Bergatreute der in den Grünanlagen beim Spital die Kunst des Bogensports vorstellte. Jugendtrainer Michael Wora hat verschiedene Bogentypen mitgebracht, die er Interessierten gerne erklärt. Schnupperschießen darf man mit einem hölzernen Sportbogen und mit Hilfe von Wora trifft man dann auch mehr oder weniger gut die Zielscheibe. Eine interessante Erfahrung, um unverbindlich den Bogensport ein bisschen besser zu verstehen. Traditionell auf der Spitalwiese hat der Kinderschutzbund auch dieses Jahr wieder seine Zelte und Spielstationen aufgebaut. Auch hier spüre man, das aufgrund der unsicheren Wetterlage weniger Zustrom sei, als in den vergangenen Jahren, erklärt Walter Ritter vom Kinderschutzbund. Selbstredend gibt es auch hier, wie noch an neun anderen Stationen auf dem Festgelände, eine Mitmachstation der Kinderrallye. Die Geschwister Fynn und Marlene waren hochmotiviert, als es darum geht, beim Kinderschutzbund den Basketball in den Korb zu treffen. Acht Vereine, das Jugendhaus und die Auszubildenden der Stadt boten zwischen 11 und 15 Uhr einen kurzweiligen Parcours mit sportlichem und künstlerischem Kreativitätsprogramm an.
Ein eher passiver Genuss am Sonntagmorgen waren die fünf verschiedenen Frühschoppenkonzerte. Im Klosterhof spielte der Musikverein Schlier-Ankenreute ein mitreißendes Udo-Jügens Medley; eine kleine Besetzung der Stadtkapelle zauberte auf dem Rathausplatz italienische Atmosphäre mit dem Stück „Gloria“ von Umberto Tozzi. Auf der Hochstattbühne zeigte der Musikverein Haisterkirch, dass man mit flotten Märschen und Polkas die Zuhörer begeistern kann und der Musikverein Tannhausen hatte den Erfolgswalzer „Das Zigeunerkind“ für die Bad Waldseer Fans mitgebracht. Stilistisch anders war das Frühschoppenrepertoire im Hirschhof mit der Formation Woodlakers. „Hey, ab in den Süden“ oder „Bad mooon rising“ von CCR waren fetzige Titel, die es dort zu hören gab.
Staunende Besucher gab es am Nachmittag vor der Hochstattbühne. Oben auf der Bühne drehten die Mädchen der Kunstradgruppe Ravensburg auf den Einrädern ihre Runden und im Anschluss zeigte die Hip Hop Tanzgruppe der Ballettschule Waidacher, wie schön und sportlich moderner Tanz sein kann.
Ob es nun von oben regnete oder nicht, war für die Teilnehmer am Drachenbootcup fast egal, denn trocken blieb so gut wie keiner. Für die vielen Zuschauer am Ufer, die die kurzweiligen Wettkämpfe verfolgten, war es aber natürlich von Vorteil, dass Petrus eine Weile lang seine Schleusen geschlossen hielt. Bei den Wettkämpfen traten zehn Teams gegeneinander an. Ähnlich dem Tauziehen geht es darum, im Drachenboot so stark zu rudern, damit das gegnerische Team zurück gedrängt wird.
Angesichts herbstlicher Temperaturen und der schaueranfälligen Wetterlage hatten die Waldseer nochmals enormes Glück gehabt und die Fest- und Feierlaune blieb davon unbeeinträchtigt.


















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