Christof Spörk – Musikkabarett

Christof Spörk ist für die Pointen zuständig

Steirer zum dritten Mal bei Kultur am See zu Gast – erstmals als Solist

 

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 12. November 2018

Er ist ein sympathischer Kerl, der Christof Spörk, wie er da so auf der Bühne steht, umgeben von einer Ziehharmonika, einem E-Piano und einer Klarinette, wie er in seinem steirisch unterlegten Dialekt über die Welt und seine Familie plaudert und so in kürzester Zeit die formale Distanz zwischen Künstler und Publikum überwindet. Es war schon fast eine heimelige Clubatmosphäre am Samstagabend im Haus am Stadtsee, an der auch die Besucherzahl von gerade mal 130 Gästen ihren Anteil hatte.

Fast das gesamte Publikum kannte Spörk schon, wie sich schnell herausstellte. War er doch schon zweimal mit seiner ehemaligen Musikband „Global Kryner“ zu Gast in Bad Waldsee. Nun also als Solo-Musikkabarettist, eine Rolle, die für das Waldseer Publikum neu war, in der Spörk aber in den zurückliegenden Jahren schon mehrere angesagte Preise eingeheimst hat. Mit seinem Programm „Am Ende des Tages“ resümiert Spörk über seine Erlebnisse als 46-jähriger, vierfacher Familienvater, dem es nicht komplett „wurschd iss“ was da so alles um ihn herum passiert. Also erklärt er uns zunächst einmal so en passant wie sich so ein normaler Tag im Leben der Familie Spörk abspielt. Die vier Kinder bestimmen einen Großteil der Geschichtchen und in dem Zusammenhang richtet sich auch die Frage an die anwesende Lehrerschaft im Publikum, welche Methoden man als Vater heute noch habe, um seine Kinder legal zu bestrafen, wenn es zu Diskrepanzen zwischen den Erziehungsidealen und dem Verhalten der Sprösslinge kommt. Mangels geeigneter Sanktionsmöglichkeiten stellt Spörk dann einfach einmal den gängigen „Bildungstransparenzwahnsinn“ in Frage, der Schulleistungen global zu vergleichen sucht. Es ist aber nicht nur die Bildungspolitik mit der sich Spörk kritisch auseinandersetzt. Vor allem das österreichische Kabinett wird kritisch seziert und auch in der bundesdeutschen Politiklandschaft sieht er faschistisches Potential. „Das kommt auf Euch auch noch zu“. Seine unbekümmerten Erzählungen werden im Laufe des Abends immer wieder mit Gedichten und – schließlich nennt er sich Musikkabarettist – mit Liedern aufgelockert. Würden diese auch noch einen inhaltlichen Bezug zum gesprochenen Wort besitzen, wäre es eine schöne runde Sache. Da ist zum Beispiel der Klassiker von der „Lärmschutzwand“ der mit allerhand lustigen Anekdoten gespickt ist. Oder die Premiere des Liedes über die Erbengeneration, das voll ist mit bitterbösen Strophen schwarzen Humors. Zweifelsohne kann das Publikum dabei die großartige Musikalität von Spörk genießen, doch seiner Fähigkeit komplizierte Texte sehr schnell singen zu können, fordert ihren Tribut im Pointenverständnis. Einfallsreich, ein kleins bisserl zynisch und wortgewandt sind seine selbstverfassten Gedichte. Der Brexit in einer Ära von Nationalstaaterei nimmt ungewohnte Wendungen, aus dem morgenländischen Mokka wird der abendländische Nespresso und auch zum Erben gabs einen verkappten Vierzeiler: „Wenn die Alten erkalten, werden die Jungen feiern bis sie reihern“.

„Am Ende des Tages“ bleibt ein sympathischer Kindskopf, dessen eigene Freude am Witz und der Musik ansteckend war und dem es mühelos gelang zwei entspannte Stunden mit dem Publikum zu plaudern. Mancher fühlte sich sogar ermuntert, mit Zurufen das Programm zu bereichern, doch da hatte Spörk eine klare Position „Für die Pointen bin ich hier zuständig!“

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