Die Echse

Humor, Hintersinniges, Frivoles und Tricks – die Echse begeistert im Haus am Stadtsee

Hallo Bad Waldsee, oder darf ich Waldi sagen

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 10.12.2018

Es war ein Abend mit richtig schöner guter Unterhaltung, bei der die zwei Stunden Programm im Handumdrehen vorbei waren. Zu Gast bei der Kleinkunstreihe Kultur am See war – tja und jetzt wird es schon etwas schwierig, denn man könnte jetzt über den genialen Puppenspieler Michael Hatzius schreiben, aber die Bühnenpräsenz gehörte voll und ganz dem Tier aus der Urzeit – der Echse. Deren schnoddriger und mitunter auch recht frivoler Charme mag zwar nicht jeden der rund 200 Besucher begeistert haben, aber die Direktheit mit der die Echse Dinge anspricht und präzise auf den Punkt bringt, wirkte mit einer unwiderstehlichen Präsenz, der bereitwillig die ganze Konzentration gewidmet wird.

Seit Urzeiten auf dem Planeten zuhause schöpft die Echse aus einem reichen Erfahrungsschatz, wobei sie sich munter aus den verschiedenen Epochen und Erdzeitaltern bedient. Unerhört verklangen ihre Warnungen vor dem großen Meteoriteneinschlag und die Echse musste mitansehen, wie mit den Dinosauriern bereits die zweite großartige Zivilisation des Planeten ausgelöscht wurde. Jawohl die Zweite, denn lange zuvor hatte sich schon die Entenzivilisation selber in die Scheiße reingeritten. Drastische Worte, denen eine äußerst anschauliche Lehrstunde in Leben, Wirken und Niedergang der Enten folgte. Kein erhobener Zeigefinger, vielleicht einmal ein Mittelfinger, aber zum Brüllen komisch hatten die Enten, die sich da auf dem Spieltisch der Echse versammelt hatten einen Schicksalsweg beschritten, auf dem es nicht gerade wenig Parallelen zur deutschen Jetztzeit gab. Aus der Entenzeit herüber gerettet hat die Echse das personalisierte Horoskop mit den fünf göttlichen Glücksenten. Souverän und wohl nicht ganz bühnenunerfahren ließ Jürgen die Echse mit ungewöhnlicher Präzision in seine Zukunft blicken. Nicht ganz verwunderlich, wenn man den geschickten Smalltalk zwischen Jürgen und der Echse aufmerksam verfolgte, verwunderlich aber war der Zaubertrick mit der die passende Aszendentenente erschien. Eine der Stellen im Programm, an der auch mal klar wurde, dass hinter all dem Echsenuniversum der geniale Kopf und fingerfertiger Puppenspieler Michael Hatzius steckt.

Die Echse gibt sich als weltmännischen, gönnerhaften und weit gereisten Superstar, der auch mal der kleinen Kurstadt Bad Waldsee die Ehre gibt, oder nett gefragt „Darf ich Waldi zu Euch sagen?“ Von Berlin bis in den tiefen Süden war es eine lange Reise durch Deutschland mit seinen schönen Landschaften und seinen liebenswerten, herzlichen Menschen, „aber leider ist das nicht alles gleichmäßig verteilt“ so die Echse. Bayern zum Beispiel hat wunderschöne Landschaften. Nach den harmoniebedürftigen Hessen und den tierischen Franken kriegen natürlich auch noch die Schwaben ihr Fett ab; vor allem dann wenn sie nicht zuhause bleiben und in Berlin, der Heimat der Echse, zu siedeln beginnen. „Wer einen Schwaben hat, der wünscht sich den Syrer zurück, der kann wenigstens Deutsch“. Vielleicht überflüssig zu erwähnen das political correctness nicht zu den Tugenden der Echse gehören. Dennoch verzeiht sie den Schwaben die vielen SCH-Laute, denn die sind eigentlich nur aufgrund eines Hirnfehlers erklärbar.

Obwohl das Programm den treffenden Namen „Echstasy“ trägt, ließ uns Hatzius dann doch noch ein bisschen an seinem vielfältigen Schaffen als Puppenspieler teilhaben. Neben den bekannten, tragischtraurigen Erlebnissen vom Huhn gab es auch eine ganz fiese und gemeine Zecke, die dem korrespondierenden Märchenprinzen das Leben schwer machte. Ein Rammler tat sich gleich zu Beginn der Show an der Bühnenelektronik gütlich, während für den Nachschlag der Gevatter Tod sorgte und feststellte, dass in Bad Waldsee „viel zu tun“ ist, während Wolfegg „fast fertig“ ist.

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