Ball der Scheinheiligen

 

Premiere des Scheinheiligenballs ist voller Erfolg

Der Papst, Luther und zwei katholische Pfaffen und andere Heilige begeistern im vollbesetzten Gemeindehaus

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 20. Februar 2017, Ausgabe Bad Waldsee

Bildergalerie am Textende

Mit dem Ball der Scheinheiligen veranstalteten erstmals alle Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit einen gemeinsamen Fasnetsball im Gemeindehaus St. Peter in Bad Waldsee. Die sechs langen Tischreihen waren schnell besetzt, Steh- und Emporenplätze wurden in Beschlag genommen, so dass sich schon bald mehr als 150 Besucher der Scheinheiligkeit und dem Frohsinn hingaben. Die Narrenzunft schickte mit dem Sammlervölkle, der Prinzengruppe und der Nachtwächtergruppe gleich drei Abordnungen zu den närrischen Katholiken. Auch der evangelische Pfarrer Wolfgang Bertl war zu Besuch und durfte miterleben, wie 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag der Ablasshandel wieder munter gedieh. Dafür verantwortlich war eine Abordnung der Kurie, allen voran der Papst. Die kleine Gruppe um Silvia und Thomas Graeve verstand es mit ihrem Programmbeitrag Geschichte und Ökumene einmal auf die humorige Schippe zu nehmen.

Mit dem Scheinheiligenball hat die Seelsorgeeinheit Bad Waldsee auch das Veranstaltungsformat erneuert. Zwar gibt es nach wie vor viele Programmbeiträge, aber diese verteilen sich lose über den ganzen Abend. Das Tanzbein schwingen – und die Besucher machten reichlich Gebrauch davon – konnte man nicht erst nach dem Programmende, sondern bereits nach dem ersten Programmpunkt. Die Band Topsound3 spielte Schunkelrunden, Tanzrunden und bei den Besuchen von Sammlervölkle und Prinzengruppe kam der musikalische Frohsinn nicht zu kurz.

Der Auftakt im Programmreigen machte das Luftpumpenorchester unter der Leitung von Udo Meier-Böhme. Hildegard Rebmann Gertrud Schmid und Hedi Allgaier lenkten mit ihrem Sketsch das Augenmerk auf die liturgischen Gegenstände in welchen sich der einzelne Gläubige wiederfindet. Bei den Landfrauen besonders geschätzt war das Evangeliar, da dieses vom Pfarrer vor jeder Benutzung geküsst wird – schön wenn der Pfarrer jung ist. Das Pastoralteam hatte sich das Märchen von Schneewittchen zur Brust genommen. Danach wussten dann alle, das der Prinz wirklich ganz schön ist, Schneewittchen so ziemlich alles „OK“ findet und die gute Fee zwar nett, aber eigentlich auch etwas lästig ist. Das Doppelquartett des Männerchors Haisterkirch widmete sich der gar nicht so einfachen Frage, was man alles machen könnte, hätte man nur genug Geld. Zwar blieb man musikalisch stets beim gediegenen Chorsatz, inhaltlich bekamen jedoch die Ortsvorsteher aus Haisterkirch, Reute und Mittelurbach, selbstverständlich aber auch die gastgebenden Pfarrer und zu guter Letzt auch die Rathausspitze gehörig ihr Fett ab. Mit einer humorigen Anekdotenrunde leistete auch Alois Mayer einen hübschen Beitrag zum Programm. Die gereimte Moderation zwischen den einzelnen Programmpunkten gab es von Karl-Eugen Ott. Die beiden Pfarrer, namentlich Stefan Werner und Thomas Bucher, waren natürlich als Gastgeber auch bereit, mit einem traditionellen Beitrag die Besucher zu unterhalten. Tradition übrigens, so die beiden, wird etwas in der katholischen Kirche dann, wenn es zum dritten Mal weiderholt wird. Schön, wenn kirchliche Traditionen derart erheiternd sind, wie die althergebrachten Litaneigesänge, mit denen die Moritaten über das eine oder andere Gemeindemitglied erzählt wurden. Egal ob lokal, persönlich oder große Politik, jede Geschichte bekommt von den beiden Pfarrern noch einen Kurzkommentar – und diese Kommentare haben es gewaltig in sich. Beschwingtes Finale zur vorgerückten Stunde war ein CanCan Tanz der Landfrauen aus Reute-Gaisbeuren, bei dem Beine und Röcke flogen.

Mit dem Ball der Scheinheiligen ist der Seelsorgeeinheit eine gelungene Bereicherung der Waldseer Ballszene gelungen, die schon in Kürze mit dem Attribut „traditionell“ geschmückt werden darf.

Bildergalerie:

Beiträge

Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.