Bliss – A Capella

Tanzende Männer können singen – oder – Singende Männer die tanzen können

Die schweizer A Capella Gruppe Bliss legt eine perfekte Show hin

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 30. Januar 2017, Ausgabe Bad Waldsee

Das eine A Capella Gruppe gut singen kann, genügt heutzutage offensichtlich nicht mehr. Schon fast zwingend dazu gehört auch eine ausgefeilte Choreografie. Ein Glück für die rund 230 Besucher bei Kultur am See am Freitagabend, dass die schweizer Formation Bliss sowohl den Gesang, wie auch die tänzerische Choreografie perfekt beherrschte.

Claudio, Lukas, Matthias, Tom und Viktor bezeichnen sich selbst als die fünf Gentlemen – und genau das verkörpern sie auch auf der Bühne. Schwarzer Anzug und weißes Hemd ist die Kleidung für den ganzen Abend, kein bunter Firlefanz mit lustigen Kostümen, einzig das Jackett darf hin und wieder mal fehlen. Den Humor, immerhin brüstet sich die Gruppe damit, beim internationalen A Capella Wettbewerb 2014 den ersten Preis in der Kategorie Comedy gewonnen zu haben, decken die fünf mit ihrer Moderation ab. Zu Beginn noch in sympathischem Schweizerdeutsch, werden die humorigen Anekdötchen später dann in Hochdeutsch erzählt. Diese drehen sich in erster Linie um die Eigenarten der Schweizer und ihrer Beziehung zu den Deutschen, ganz im Sinne des Programms, das unter dem Titel „Tell´s Angels“ formiert. Das stylische Aussehen, die teilweise recht sportlichen Hüftschwünge wie beim Lied „Valerie“ von Amy Winehouse und natürlich der makellose Gesang macht es den fünf Männern leicht, das Waldseer Publikum zu erobern. Damit das mit den Schweizern auch jedem klar war, startete das Programm mit einer Hymne an die Schweiz, ein Lied das gespickt war mit Begriffen, bei denen das Gehirn automatisch Schweiz assoziiert. In den Augen von Bliss sind die Schweizer die Erfinder des Heimwehs. Das gleichnamige Lied „Heiweh“ entpuppte sich aber schnell als romantische Liebesballade. Klassik in A Capella? Das geht, und zwar sehr gut sogar. Ein breit gefächertes Medley aus Schwanensee, dem Barbier von Sevilla, aus der Zauberflöte und aus Carmen, gekrönt mit dem Bolero von Ravel zeigte, wie vielseitig Bliss sein kann. Die Stimmung im Saal war super, als Bliss zum letzten Stück vor der Pause ansetzten – „I´m so excited“ von den Pointer Sisters – und sich den einzigen Schnitzer des Abends leisteten. Irgendwas ging schief, die Tonlage passte nicht ganz, das Potential dieses Mitreißerliedes wurde leider verspielt.

Nach der Pause aber zogen Bliss nochmals das ganz große Register mit Popballaden wie „Rosanna“ von Toto, „When you say nothing at all“ von Ronan Keating oder „Chasing Cars“ von Snow Patrol. In Anspielung auf den Programmnamen „Tell´s Angels“ wurde auch noch die Mutter aller Hardrockklassiker präsentiert – „Highway to hell“, selbstverständlich mit perfekt gespielter Luftgitarre. Die Showeffekte passten, wie bereits schon erwähnt, immer ausgezeichnet. Tosender Applaus gab es nicht nur am Schluss – „Kiss“ von Prince war so ein Titel, bei dem das Publikum aus dem Häuschen war. Es lag also nahe auch bei der Zugabe nochmals auf Prince zurück zu greifen, so dass auch noch „Purple Rain“ zu hören war. Und was sagen die Schweizer dem deutschen Publikum, bei dem sie einen begeisternden Eindruck hinterlassen haben? „Dankescheen!“

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