Die Feisten

Feiste Evergreens von Trägern des Kleinkunstpreises

Fans freuen sich, dass die Feisten wieder bei Kultur am See zu Gast sind

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 8.Mai 2017, Ausgabe Bad Waldsee – Aulendorf

 

Bad Waldsee (dhe): Ein Hochzeitslied, die große Liebe, der Fleischkonsum, Stalking extrem und hygienisch bedenkliche Naschereien – das Themenspektrum der Liedtexte war breit aufgestellt, sparte aber die Politik geflissentlich aus. Das muss kein Nachteil sein, denn beim Auftritt der Feisten am Samstagabend im Haus am Stadtsee bekamen die Besucher zwei Stunden lang feine musikalische Unterhaltung mit der einen oder anderen fiesen Pointe. Bereits zum dritten Mal hatten die Organisatoren von Kultur am See, Hans Ehinger und Roland Metzler die Feisten nach Bad Waldsee geholt, dieses Mal aber erstmals als Duo. Von dem ehemaligen Trio „Ganz schön feist“ sind Mathias Zeh, kurz „C“ und Rainer Schacht übrig geblieben. Weder die musikalische Qualität noch der Stil haben unter der Reduktion gelitten, vielmehr begeistern die beiden mit einer nahezu jugendlichen Frische, obwohl sie auch nicht mehr ganz die Jüngsten sind.

Für ihr Programm Nusschüsselblues haben die Feisten aber auch ins Archiv gegriffen und den seit Jahren treuen Fans einige Klassiker aus dem fast dreißigjährigen Bandrepertoire mitgebracht. Das „Gänseblümchen“, eine Selbstsuggestion zum entspannten Umgang mit der Welt durfte da genauso wenig fehlen, wie die „Gammelfleischparty“ – eine schonungslose Offenlegung der Teilnehmer von Ü30, naja sagen wir mal eher von Ü50-er Partys. Beim namensgebenden Nussschüsselblues, nein es ist kein logopädisches Teststück, schauen C und Rainer einmal etwas genauer in die Schälchen mit Knabbereien. Ihr Resümee: „Greif nicht in die Schüssel rein, darin können viele Dinge außer Nüssen sein“. Diese Dinge hier wiederzugeben, das wollen wir den Lesern am Frühstückstisch nicht zumuten. Eine musikalische Kreuzung aus den überaus erfolgreichen Amigos und den Feisten ist eine gedankliche Herausforderung, die mit dem Stück „Flamingo Dolores“ sehr souverän gemeistert wurde. Eine rosa Strumpfhosen tragende Wirtin in der einzigen Kneipe von C´s Heimatdorf wurde, ob ihrem Äußeren kurzerhand zur vergötterten Flamingo Dolores erhoben. Ihr galt der Dank, denn schließlich half sie dem Protagonisten in jeglicher Hinsicht auf dem beschwerlichen Weg zum Erwachsenwerden. Mögen sich die Geschichten in den Liedern auch manchmal recht fatal entwickeln – der „Tsunami der Liebe“ erzählt solch ein Drama genauso wie „deine Brüder“ – so meint es das Schicksal mit dem Ich-Erzähler in der Regel gut. Beim „Tsunami der Liebe“ findet die Liebesmutation einer Stalkerin ihr Ende in der Demolierung des falschen Autos, das dem ukrainischen Nachbar gehört….

Evergreens haben den großen Vorteil, dass das Publikum sie kennt und deshalb in der Regel der Aufforderung zum Mitsingen auch problemlos folgen kann. „Es ist gut, wenn du weißt was du willst. Wenn du nicht weißt was du willst, ist das nicht so gut“ – das ist ein Stück, bei dem das weibliche Publikum genauso wie das männliche eine sehr gute Performance ablieferte. „Ich könnte stundenlang zuhören, so schön singt ihr“ war „C“ begeistert. Doch auch das Publikum wollte am Ende noch stundenlang zuhören und forderte erfolgreich zwei Zugaben.

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