Evangelischer Oberschwabentag

Das neue Herz und das sehende Auge

Zum evangelischen Oberschwabentag in der Dobelmühle kommen rund 500 Gläubige

 

Veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 26. Mai 2017, Ausgabe Bad Waldsee-Aulendorf

Der gleichzeitig in Berlin stattfindende evangelische Kirchentag hat in gewissem Sinne auch beim Oberschwabentag seine Spuren hinterlassen. Da wäre zum einen das Berliner Motto „Du siehst mich“, welches vom Organisationsteam der Jahreslosung zur Seite gestellt wurde. Die andere Wirkung zeigte sich in den Besucherzahlen, die dieses Jahr etwas geringer ausfielen als in den zurückliegenden Jahren. Das hatte aber auch den Vorteil, dass die Schlangen bei der Essenausgabe nicht ganz so lang waren. Pfarrer Georg A. Maile vom Organisationsteam erklärt jedoch im Gespräch mit der SZ, „Es war eine bewusste Entscheidung für die Daheimgebliebenen hier in Oberschwaben einen kleinen Kirchengtag anzubieten“. Mit der Resonanz der rund 500 Gläubigen, die sich auf dem weitläufigen Gelände befanden, war Maile übrigens höchst zufrieden.

Als um 10:00 Uhr die Bläser aus den benachbarten Posaunenchören unter der musikalischen Leitung von Dierk Jacob zum Festgottesdienst aufspielten, war das kreisrunde Zirkuszelt voll besetzt. Pfarrer Maile, Pfarrer Michael Pfeiffer und Reverend Martin Ngnoubamdjum leiteten den Gottesdienst. Der aus Mengen stammende Chor „Akzente“ unter der Leitung von Frank Boos hatte beschwingtes neues geistiges Liedgut mitgebracht. In der Festpredigt ging Pfarrer Pfeiffer intensiv auf das doppelte Motto des Oberschwabentags ein. Tradition hat es, dass sich das Angebot des Oberschwabentags um die jeweilige Jahreslosung dreht. Dieses Jahr stammte sie aus dem Buch Hesekiel und lautet „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“. Als kleiner Kirchentag darf es aber trotzdem das Motto des großen Kirchentags sein „Du siehst mich!“ Herz und Auge – zwei wahrnehmende Organe des Menschen? In der Tat, sowohl in der hebräischen Vorstellung ist das Herz wahrnehmend aber auch ganz populär in Saint-Exupéry´s „Der kleine Prinz“ ist das populäre Zitat zu lesen „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Pfeiffer macht klar, das Gott es ist, der Sehnsucht nach den Menschen hat, dass von ihm die Initiative ausgeht und er den Menschen ein neues Herz schenkt. Pfeiffer ermutigte, Gott darum zu bitten, von ihm angeschaut zu werden, denn Gott sieht wie wir sind und wie wir sein könnten. Auge und Herz – die Jahreslosung und das Kirchentagsmotto aufs allerwesentlichste reduziert. Herz und Auge, auch als gedankliche Überschriften für die verschiedenen Workshops und Gesprächskreise die am Nachmittag angeboten wurden. Hinschauen, wie es beispielsweise mit der Landwirtschaft aussieht, dazu lud Renate Wittlinger vom Evangelischen Bauernwerk ein. Eine Herzenssache hingegen ist das gemeinsame Singen, zu dem Sabine und Dierk Jacob eingeladen haben. 25 Sängerinnen und Sänger ließen sich von der mitreißenden Art von Frau Jacob motivieren und schon nach wenigen Minuten Üben schmettere die muntere Sängerschar den Kanon „Ich schenke Euch ein neues Herz“. Unter den Mitsängern findet sich auch Ruth Forian, die zum ersten Mal beim Oberschwabentag ist. Eingeladen wurde sie von ihrer Freundin Petra Weber, die wiederum die Motivation zum Besuch der Veranstaltung in ihrem Bibelkreis erhalten hatte. Die beiden finden das Gelände der Dobelmühle als sehr gelungen, der Gottesdienst war angenehm und es herrsche eine gute Gemeinschaft, sind sie sich einig. „Dass diese Veranstaltung jedes Jahr angeboten wird, finde ich schön. Da werden wir sicher wieder einmal vorbei kommen“ resümiert Weber. Einer der schon zum wiederholten Male gekommen ist, ist Wirtschafts- und Sozialpfarrer Albrecht Knoch. „Man trifft hier viele Menschen, mit denen man schon persönliche Begegnungen hatte“ so Knoch. Das vielfältige Themenangebot bei den Workshops sind für ihn das Besondere am Oberschwabentag und man hat so die Möglichkeit, sich einmal ungezwungen schwierigen Themen anzunähern. „Der Mix aus Gottesdienst, Begegnung und Workshop – das macht den Oberschwabentag aus“ bringt Maile die Veranstaltung auf den Punkt.

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