Habbe und Meik – Masken&Pantomime

Das mit Abstand beste Publikum ist froh dass wieder was läuft

Habbe und Meik setzten den ersten kulturellen Leuchtturm seit dem Lockdown

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 12.10.2020

Mochte die Nachricht vom ausverkauften Haus noch vor einem halben Jahr auf hunderte Besucher im Haus am Stadtsee hindeuten, so bedeutet es im Herbst 2020 das gerade einmal 91 Gäste dabei sein konnten, als Habbe und Meik die Bühne betraten. Pantomime, akrobatische Tollpatschigkeit und große Gefühle ziehen sich durch das Repertoire der beiden Künstler Michael Aufenfehn und Hartmut Ehrenfeld. In vier szenischen Motiven zeigen die beiden Alltagssituationen wie sie eigentlich jeder erleben könnte – und genau deshalb versteht auch jeder auf Anhieb was auf der Bühne passiert, ohne dass ein einziges Wort gesprochen wird.

Den Corona-Vorsichtsmaßnahmen geschuldet, wurden ein paar publikumsnahe Sequenzen des ansonsten 90-minütigen Programms gestrichen. Auch die Veranstalter von Kultur am See mussten wegen Corona einige organisatorische Maßnahmen ergreifen, die mit dem abstandsgerechten Sperren von Sitzplätzen noch lange nicht erschöpft waren. Persönlich wurden die Besucher, darunter viele langjährige und treue Stammgäste, begrüßt und in die Besonderheiten von Kultur am See in Zeiten von Corona eingewiesen. Das gesellige Tête à tête im Foyer entfiel genauso wie die Pause. Nach der Aufführung verließen die Besucher unter der Regie der Veranstalter Stuhlreihe für Stuhlreihe den Saal und das Haus am Stadtsee. Besondere Umstände und dennoch waren allesamt froh, dass wieder was geboten wurde. Die Einschränkungen in Dauer und Kommunikation wurden gerne in Kauf genommen, wurde doch in dem einstündigen Programm hochkarätige Unterhaltung geboten, für das Habbe und Meik schon den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg und andere internationale Auszeichnungen erhalten haben.

Freundschaft als berührendes Thema zog sich durch die vier szenischen Momentaufnahmen des Lebens. Ein kleines Mädchen auf einer überdimensionierten Bank trifft auf einen kleinen Jungen mit Roller. Von Schüchternheit und Unbeholfenheit, Interesse und gegenseitiges Werben, weiter zum Konkurrenzgehabe um das Spielzeug; die Palette an zwischenmenschlichen Interaktionen reicht weit. Was sich neckt das liebt sich und findet den gemeinsamen Nenner beim matschlastigen Sandkastenspiel. Freundschaft kann vielfältige Wege nehmen. Zu diesem Schluss kommt man auch bei den beiden Handwerkern, die auf der Baustelle mit Leiter, Brett und Zollstock ihr Bestes zu geben versuchen. Obwohl ein Tollpatsch in der Bockleiter gefangen ist, kann er noch immer so viel Schaden anrichten, dass die Sorge um ein Ansteigen der Unfallstatistikzahlen im Baugewerbe gegeben ist. Doch so schmerzhaft der Baustelleneinsatz auch sein mag, die beiden Handwerker verbindet eine Freundschaft, die im gemeinsamen Musizieren einmündet. Ja, musikalisch sind Habbe und Meik nämlich auch. Die Szene mit den beiden Konzertmusikern unter beengten Verhältnissen zeigt es. Kreative Lösungen auf, unter und zwischen einer großen Leiter lassen staunen und final sogar ein gekonntes Musikstück erklingen. Ob Freund oder Feind im eigenen Bett ist zunächst unklar, denn in Spielszene Nummer vier entwickelt die Bettdecke ein Eigenleben und müht sich intensiv um Zuneigung des Schläfers. Eine gelungene Wiederaufnahme des Kulturbetriebs im Haus am Stadtsee nach der halbjährigen Coronazwangspause kann attestiert werden. Mit einher geht aber auch die bange Frage, wie lange ein Abmangel aufgrund erhöhtem Aufwand und deutlich reduzierten Besucherzahlen finanzierbar ist. Um es mit den Worten von Hans Ehinger zu sagen „Es besteht die Hoffnung, dass wir die nächste Veranstaltung machen können.“ Das wäre dann am 30. Oktober das Musikkabarett „Wildes Holz“.

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