HG Butzko – Menschliche Intelligenz

Konstruktiver Vorschlag gegen Terror: Seid nett zueinander

Politisches Kabarett von HG Butzko trifft den Nerv der Besucher

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 15.01.2018, Ausgabe Bad Waldsee – Aulendorf

 

Zum Auftakt des Halbjahresprogramms von Kultur am See war am vergangenen Samstag der Politkabarettist HG Butzko zu Gast im Haus am Stadtsee. Rund 200 Besucher begaben sich mit dem „nicht praktizierenden Atheisten“, wie er sich selber vorstellte, auf eine kabarettistische Reise zu den politischen Schwerpunktthemen Integration, Terror und AfD.

„Menschliche Intelligenz oder: Wie blöd kann man sein?“ steht als Titel über dem aktuellen Programm des 52-jährigen HG Butzko. Also blöd ist er nicht, der Butzko; das wird schnell klar. Mit einer präzise aufgebauten Kausalität beackert er seine Themen und lädt die Leute ein, an diesem Abend noch einen kleinen Tick weiter zu denken, als beim alltäglichen Konsum der Nachrichten. An Butzko ist ein Lehrer verloren gegangen. Didaktisch hervorragend arbeitet er mit klar strukturierten Sätzen, mit geradezu rhythmischen Wiederholungen und offenen Fragen, um die Leute genau dorthin zu führen, wo er sie haben will.

Wieviel menschliche Intelligenz benötigt man also, um zu erkennen, dass in der Populärdiskussion um innere Sicherheit und Bedrohung des christlichen Abendlandes durch islamische Gotteskrieger mit allerlei Finten und Relativitätsverschiebungen aufgewartet wird. Fanatiker, Spinner und Radikale gibt es sowohl bei den  Muslimen in Deutschland, wie auch bei den restlichen Bewohner Deutschlands. Mit dem Grundgesetz nicht vereinbare Thesen gibt es offensichtlich nicht nur im Koran, sondern auch in den Büchern Mose und den Paulusbriefen der Bibel. Doch Butzko wäre es eigentlich egal, ob religiöse Bücher mit dem Grundgesetz in Einklang stehen, wenn sich wenigstens die religiösen Menschen an das Grundgesetz halten würden. Dann würde für alle gelten „Respekt und keine Diskriminierung“. Dennoch gibt es antisemitistische, homophobe und sexistische Männer im Islam – genauso wie im Rest der Bevölkerung. Deshalb aber von einer gelungenen Integration zu sprechen, bedarf es der spitzen Feder des Politkabaretts. Diese richtete sich auch gegen die Populisten am rechten politischen Spektrum. Wenn offensichtlich in den PEGIDA-Internetforen über eine fortschreitende Islamisierung aufgrund der Verwendung von arabischen Zahlen im Schulunterricht diskutiert wird, dann kriegt die Regierung jetzt posthum die Rechnung dafür präsentiert, dass in den zurückliegenden Dekaden zu wenig in die Bildung investiert wurde. Die Angst der etablierten Politiker vor dem Erstarken der AfD gebiert dann schon mal Vorschläge, über deren tieferen Sinn man nachdenken sollte. Steigt die innere Sicherheit, wenn de Maizière vorschlägt, Gefährdern den Pass zu entziehen, damit diese nicht ausreisen können oder ist es tatsächlich eine Abschreckung, wenn Marine Le Pen in Frankreich die Todesstrafe einführen will, um Selbstmordattentäter in Griff zu bekommen?

Butzko bezeichnet sich als nicht praktizierenden Atheisten „Ich will nicht glauben müssen, sondern meine Ruhe haben“, denn es gibt auch fanatische Atheisten, die ihre Lebensenergie auf einen Gott fokussieren, an den sie nicht glauben. Zwar registriert Butzko am Machtanspruch der Religionen sehr viel Schlechtes, doch das Hauptübel steckt für ihn in einer Politik, die vor diesen Ansprüchen einknickt. „Fahren wir zum Mullah, machen wir, was der Mullah will. Kommt der Mullah zu uns, machen wir was der Mullah will“, so Butzko. Mutige Kabarettisten trauen sich offensichtlich auch den Islam zu kritisieren – eine Randgruppe in Deutschland, die sechs Prozent der Bevölkerung umfasst. Ganz anders natürlich die Situation in islamischen Staaten, wo es mit Toleranz und Menschenrechten schlecht aussieht, genauso wie in China, Russland, Nordkorea, Venezuela, Ungarn und Polen, erklärt Butzko. Bei so viel Kritik am Rest der Welt, kann sich die deutsche Regierung freuen, die an diesem Abend recht wenig Frontalattacken ausgesetzt war, dafür aber in einer durchgehenden Latenz vorgeführt wurde.

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