Jahreskonzert des Kreisverbandsjugendblasorchesters

Für 250 Besucher regt die sinfonische Blasmusik das Kopfkino an

Jugendblasorchester begeistert beim Jahreskonzert mit anspruchsvollen Stücken auf höchstem Niveau

 

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 21.11.2017, Ausgabe Bad Waldsee – Aulendorf

49 hoch talentierte Musikerinnen und Musiker des Kreisverbandsjugendblasorchesters, kurz KVJBO, bot am Sonntagnachmittag in der Stadthalle Bad Waldsee vor rund 250 Zuhörern eine Leistungsschau zeitgenössischer, sinfonischer Blasmusik auf höchstem Niveau. Dirigent Thomas Wolf hatte insgesamt neun Stücke ausgewählt, die analog zu einem Filmfestival, das Kopfkino der Besucher mit ganz unterschiedlichen Bildern und Empfindungen bedienten. Wolf griff dazu auf Komponisten zurück, die von Richard Strauss über Leonhard Bernstein bis zu Thomas Doss reichten. Gerade Doss ist ein Begriff in der Welt der sinfonischen Blasmusik und darf mit seinen teils recht gewöhnungsbedürftigen Kompositionen in keinem Konzert mit Niveau fehlen.

Nachdem der musikalische „feierliche Einzug“ von Richard Strauss mit Tusch und Kesselpauke die Zuhörer in den Konzertabend hineingeführt hatte, kündete Wolf auch schon das erste Stück von Doss an, mit dem er persönlich befreundet ist. Vielleicht ein Grund, warum sich neben dem Epochalwerk „Genesis“ auch das Stück „Legends of Gold in Green“ im Programm fand. Zunächst jedoch einmal „Genesis“, eine Stück über den Beginn der Zeit und das Werden der Schöpfung. Höchste Konzentration bei den Musikern, als im tiefsten Bass eine Tuba die biblische Finsternis über der Urflut beschrieb. Schon bald aber zeigten eruptive Einsätze einzelner Register das Werden des Planeten vom Feuerball zur lebenswerten Erde. Mit schneller, dynamikgeladener Eile treiben die Instrumente die Entwicklung des Lebens voran. Die Zuhörer verfolgen gebannt wie durch akzentuierte Einsätze einzelner Register ein lebenstrotzender Planet entsteht.

Auch bei „Legends of Gold in Green“ hat sich der Komponist wieder einiges für das Kopfkino ausgedacht. Doch dieses Mal führen die Musiker ein Tag lang durch ein idyllisches Dorf, in dem noch die Kirchenglocken, gespielt auf einem Röhrenglockenspiel, den Tag einläuten und beschließen. Die Percussionisten begleiten das lebhafte Treiben, während die Posaunen dafür sorgen, dass das Dorfleben die festen Strukturen nicht verlässt.

Fünf junge Männer und eine junge Frau an den unterschiedlichsten Schlagwerkzeugen erweckten eine Buchdruckermaschine akustisch zum Leben. Diesen Leckerbissen aus präzisem Zusammenspiel hat sich Bart Picqueur im Stück „Moretus“ ausgedacht.

„Es ist eine gewisse Experimentierfreude, die sich im Repertoire des KVJBO wiederfindet und die Freude macht“ zeit sich der Landtagsabgeordneten Raimund Haser gegenüber der SZ erfreut. Mit Leonard Bernstein´s Stück „Ouverture Candide“ hatte das KVJBO beim Wertugnsspiel in Aitrach in der Höchststufe ein hervorragendes Prädikat erhalten – zu Recht, wie man sich bei der Präsentation dieses beschwingt lebendigen Stücks überzeugen konnte, bei dem die einzelnen Register mit schnell wechselnder Präsenz gefordert waren. Etwas aus dem dynamisch, kraftvollen Konzept fiel das schon fast meditative Stück „Abendmond“ in dem Thiemo Kraas die beiden Volkslieder „Und wieder wird es Nacht“ sowie „Der Mond ist aufgegangen“ vielschichtig arrangiert hat. „Ignition“ von Todd Stalter und „Free Running“ von Robert Buckley hingegen waren wieder kraftvolle und energiegeladene Stücke. Gerade letzteres habe den Musikern in der Probenarbeit viel Spaß bereitet, erklärt Wolf, denn als Besonderheit gibt es in diesem Stück nur 1/8 Noten und Pausen und zwar für alle Stimmen. Dieses außergewöhnliche Konzept eignete sich hervorragend als Hymne für die Parcourssportler, die von einem Adrenalinkick zum nächsten hechten. Genauso schnell und spannend steigerte sich die Dynamik der Musik und die Schlaginstrumente variierten die Rhythmuswahrnehmung durch vielfältigen Instrumenteneinsatz.

Dirigent Thomas Wolf versteht es auf hervorragende Weise mit Enthusiasmus die Jugendlichen dafür zu begeistern, ihr Können mit anspruchsvollen Stücken unter Beweis zu stellen. Das Ergebnis intensiver Probearbeit wurde vom Publikum begeistert und mit langem Applaus honoriert.

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