Summertime im Erwin Hymer Museum

Ältester in Deutschland zugelassener Wohnwagen ist ein Brite

„Die machen das ganz toll hier“ sagen die Besucher beim Oldtimerevent in Erwin Hymer Museum

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 13.08.2018

Rund 6000 Besucher hatten am vergangenen Wochenende beim Oldtimerevent „summertime“ auf dem Gelände des Erwin-Hymer-Museum die Gelegenheit genutzt, in die Welt der Campingpioniere einzutauchen. Eine Welt, in der fish and chips gegessen werden, die Teezeremonie heilig ist und die Folkmusik zuhause ist. Die Campingpioniere waren Briten und so ist es eigentlich auch nicht verwunderlich, dass der älteste in Deutschland zugelassene Wohnwagen ein Brite ist.

Mit einem Alter von 86 Jahren ist der Eccles Nr.35, seine Besitzer nennen ihn der Einfachheit halber Agathe, mit großer Sicherheit der älteste für den deutschen Straßenverkehr zugelassene Wohnwagen. Es ist ein Vorkriegsmodell und stammt somit aus einer Zeit, als die deutschen Wohnwagenpioniere noch mit anderen Projekten beschäftigt waren. Anja Peter und Brian Palasis sind die stolzen Eigentümer. Auch die Zugmaschine passt voll ins Konzept, denn auch der edle, grau und aquamarinblau eingefärbte Wolseley hat bereits 82 Jahre auf dem Buckel. Mit dem Gespann sind die beiden von der Ostsee her angereist. „Das macht total Spaß, allerdings fahren wir nur auf den Landstraßen. Auf den Schnellstraßen sind wir ein zu großes Hindernis“ erklärt Peter im Gespräch mit der SZ. „So ein solider, mit viel Holz gefertigter Wohnwagen wie der Eccles stellt was dar“. Dieser Ansicht ist Werner Emmenecker der zum ersten Mal beim Oldtimer-Event in Bad Waldsee ist. Sein eigener Wohnwagen ist zwar noch kein Oldtimer, aber auf dem besten Weg dazu. Deshalb schätzt er die Gespräche mit den vielen Oldtimer-Campern auf dem Gelände, bei denen es wertvolle Tipps gibt. Nicht wenige Besitzer der zur Schau gestellten Wohnwagen sind Mitglied im Camping-Oldie-Club Deutschland und auch einige Schweizer haben sich angeschlossen. So auch Sandra, die vor allem mit ihrem Austin Healey für Aufmerksamkeit sorgt. Den roten Sportwagen würde man nicht primär als Zugmaschine identifizieren, aber „der hat natürlich genug Leistung um auch größere Modelle zu ziehen“ verrät die gut gelaunte Sandra. Zusammen mit ihrem Mann hat sie mehrere Oldtimer und so findet sich meistens was Passendes für die immer wieder neuen Themen in Bad Waldsee. So lautet auch ihr Fazit nach dem dritten Besuch: „Die machen das ganz toll hier“.

Das diesjährige summertime-Motto „Very British“ motivierte recht viele Besitzer von britischen Automobilen nach Bad Waldsee zu kommen. Auf dem Parkplatz finden sich Jaguar, MG, Mini und der Rolls Royce von Frank Müller, dessen Herz für das Vereinigte Königreich und seine Bewohner schlägt. „Die Briten sind sehr unkompliziert, nett und ein bisschen skurril“ bringt Müller seine Begeisterung auf den Punkt. Zusammen mit Müller ist auch der in Bad Waldsee nicht ganz unbekannte Kurt Rauch gekommen, der sich erst vor wenigen Tagen einen feuerroten Triumph Herald gekauft hatte. Mortimor Charles Stoneworth und seine Gattin Margareth Elisabeth ziehen unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich, als sie mit Steckenpferden für die nachmittägliche Polopartie üben. Die beiden gehören zum Improshnikov Theater aus Weingarten und bringen mit einem humorigen Augenzwinkern die essentielle englische Lebensart auf das Museumsgelände. Sommernacht- und Fahrerlageratmosphäre bei Lagerfeuer und Folkmusik gab es bereits am Samstagabend mit „Spring Leaves & fire“, eine Singer-Songwriterformation, deren Stücke bei den gut 400 Campern sehr gut angekommen sind. Susanne Hinzen, Museumsmanagerin und verantwortlich für das seit Jahren bewährte Oldtimerevent ist mit der diesjährigen Resonanz sehr zufrieden. „Besonders gefreut hat mich, dass die Fahrzeuge von weit her zu uns gekommen sind. Das zeigt, dass unsere Veranstaltung in der Oldtimerszene inzwischen einen recht guten Namen hat“ freut sich Hinzen am Sonntagnachmittag beim Gespräch mit der SZ. Hinzen moderierte auch eine Talkrunde, in der profunde Kenner „der Insel“ ihre Begeisterung mit den Zuhörern teilten. Die Reisebuchautorin Beate Baum, die Campingjournalistin Anne Mandel und der Ladenbesitzer von „Little Britain“ aus Ravensburg, Herr Köppe hatten ganz unterschiedliche Erklärungen, warum das vereinigte Königreich eine Reise wert ist.

Beiträge

Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.