Thomas Reis

Thomas Reis, der Mann mit dem Zweithirn

Dauerbeschuss mit schwarzem Humor im Programm „Das Deutsche reicht“

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 09.12.2019

In Zeiten glühweinseliger Weihnachtsmarktstimmung trifft die Ankündigung vom grenzenlosen schwarzen Humor eines Thomas Reis nicht unbedingt den Nerv der Massen. Gerade mal 100 Besucher waren am Samstagabend im Haus am Stadtsee, als Reis mit seinem Programm „Das Deutsche reicht“ bei Kultur am See zu Gast war.

Eines gleich vorneweg, die Sache mit dem schwarzen Humor war keineswegs untertrieben. Rund anderthalb Stunden prasselten Zoten und Gags auf die Zuschauer nieder, in einer Abfolge die kaum Zeit zum Nachdenken ließ. Nun war da nicht gerade alles politisch korrekt, doch Reis setzte seinen unterirdischen Kalauern sofort gelungene Pointen gegenüber, so dass empörendes Raunen im Publikum eher selten wahrnehmbar war. Dass im Angesicht der vielen Wählerinnen für Trump nochmals grundsätzlich über das Frauenwahlrecht nachgedacht werden sollte, mag zwar eine naheliegende Überlegung sein, aber zeitgemäß ist sie wohl eher nicht. Und das in einer Ära, die im Mühen um gendergerechte Sprache, an kreativen Wortschöpfungen für Reis eine gigantische Fundgrube darstellt, aus der er interessante Schätze hebt. Säuglinge sind kleine Menschen mit Unterdruck, Mütter sind Menschen mit flüssigem Nahrungsangebot, Studenten sind Menschen mit Semesterticket und die dumme Gans ist ein Zugvogel mit Lernschwäche. Gedanklich nur ein kleiner Sprung war es dann zu Annegret Kamp-Karrenbauer, die von Reis nicht nur wegen ihres saarländischen Dialekts äußerst kritisch beleuchtet wurde. Weder deutsche Politiker, noch die europäische Nachbarstaaten waren vor dem Spot von Reis sicher. Doch als herausstechende Zielscheibe für vielfältige Spotattacken bietet Donald Trump ideale Voraussetzungen. Mit einer nur minimal verfremdeten Fassung des Frank Zappa Hits Bobby Brown singt Reis alias Trump ein musikalisches Selbstporträt – und das mit einem Text der bereits vor 40 Jahre entstanden ist, aber eine verblüffend gute Beschreibung des derzeitigen Präsidenten der USA liefert.

Doch auch mit dem nationalpatriotischen Wertewandel in Deutschland ist Reis nicht im Reinen. Also begibt sich Reis in ein verbales Rollenspiel, um Populismusphrasen auf ihre kognitive Belastbarkeit zu überprüfen. Da kommt dann allerhand zusammen und Reis kapituliert, denn in seinem Oberstübchen finden sich originalverpackte Erinnerungen und sinnloses Wissen, allesamt Fragmente aus denen seine Geistesblitze entstehen. Eine ungeheure Masse, die laut Reis dringend eines Zweithirns bedürfte. Ein paar Beispiele gefällig: „Warum zapfen wir Bier aus dem Hahn und nicht aus dem Huhn?“, „Werbung ist der Borkenkäfer der Hirnrinde“, „Seehofer ist Trump ohne Twitter“, „Wer Tiere wirklich liebt sollte nicht bio essen, sondern die Tiere die wirklich leiden, Biotiere haben doch ein schönes Leben“, „Ein Mann hat sieben Hobbys – Sex und Saufen“.

Ohne Zugabe aber mit dem Kompliment „Bad Waldsee, was für ein schönes Volk“ entließ Reis seine Gäste in die heimische Winternacht.

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