Tim Pröse – Lesung

Weltenflucht am Samstagabend

Tim Pröse bringt die Stars aus Film, Musik und Show dem Publikum nahe

veröffentlicht in der Schwäbsichen Zeitung vom 01.04.2019

Es war klar, diese Veranstaltung wird eine Zeitreise zurück in die große Ära der familiären Samstagsabendunterhaltung werden. Tim Pröse, Journalist und Buchautor fungierte als Reiseleiter, der die 25 Besucher bei der Lesung am Freitagabend in der Stadtbücherei Bad Waldsee ohne Umschweife in das Zeitalter des Linearfernsehens führt, in dem die Samstagsabendunterhaltung pünktlich um 20:15 Uhr stattfand. Zurück in den 70-er und 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts bevölkerten wahre Lichtgestalten aus Film, Musik und Showgeschäft die Mattscheibe – die Samstagsabendhelden. In seinem gleichnamigen Buch stellt der 48-jährige Pröse 24 dieser Helden vor, für das Waldseer Publikum beschränkt er sich in seiner Lesung aber auf sechs Charaktere, die ihm besonders am Herzen liegen.

Egal ob Pröse nun die Fleisch gewordene Verkörperung von Karl Mays Winnetou Pierre Brice oder den Deutschrocker Udo Lindenberg vorstellt, stets nähert er sich den Großen mit gebührendem Respekt und lässt die Zuhörer unmittelbar an den Gesprächen und Interviews teilhaben. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich Pröse zusammen mit Pierre Brice in dessen französischen Landsitz vorzustellen und fasziniert der Schilderung des Apachenhäuptlings zu folgen, wie er Papst Benedikt getroffen hat. Als langjähriger journalistischer Wegbegleiter überrascht es nicht allzu sehr, dass Pröse auch bei einer Fahrt mit Udo Lindenbergs Rockliner dabei war. „Ich freu mich dass er überlebt hat“ so Pröse und dann schildert er das Auf und Ab aus einem Leben, in dem es „immer um Leben und Tod ging. Den Rettungsring warf ihm schließlich keine geringere als Marlene Dietrich zu, ein Goldring mit einer eingravierten 7, der dazu mahnte die sieben der Tage der Woche nicht einfach zu verschwenden, sondern mit Leben zu füllen. Neben den Lesungen über Lindenberg, Pierre Brice, Götz George, Barbara Schöneberger, Hans-Joachim Kuhlenkampff und Hape Kerkeling berichtete Pröse im Erzählstil über die Umstände, die es ihm letztlich ermöglichten die persönlichen Gespräche mit teilweisen intimen Einblicken in das Leben der großen Stars zu führen. Am großartigen Kuli durfte er sich bereits als Praktikant versuchen und erlebte das persönliche Kindheitsidol ganz menschlich in der Künstlergarderobe. Schwieriger war dagegen die Terminanbahnung mit Hape Kerkeling, der mit seiner Kunstfigur Horst Schlemmer schon einmal mit dem Berufsstand der Journalisten abgerechnet hatte. Dennoch führte Pröse´s Weg letztlich auch zu Kerkeling und das Publikum erfuhr von Tragödien im Leben des Komikers, dem es gelang mit seinem Humor die Menschen zu berühren. Ein bisschen zogen sich Traurigkeit und ein schicksalhaftes Leben als roter Faden durch die Vita der Samstagsabendhelden. Doch Pröse ist überzeugt, „Traurigkeit ist sehr nahe am guten Showbiz. Ohne Lebenserfahrung geht keine gute Show. Das fehlt den heutigen Stars und Künstlern“.

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