Uli Boettcher

Oberschwäbischer Lokalmatador sorgt für ausverkauftes Haus

Uli Boettcher altert in 10 Jahreschritten und mit viel Selbstironie

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 26.Juni 2017, Ausgabe Bad Waldsee – Aulendorf

Noch immer im kollektiven Bewusstsein sind die Kalauer und Szenen aus Uli Boettchers Erfolgsprogramm „Ü40 – die Party ist zu Ende“. Doch die Zeit ist weiter geschritten und auch wenn man es selbst kaum wahrhaben möchte, zusammen mit dem Kabarettisten Boettcher sind alle inzwischen zehn Jahre älter geworden. Welche Konsequenzen daraus resultieren und wie sich die Sicht auf die Dinge binnen einer Dekade verändert, das will Boettcher mit seinem neuen Programm „Ü50 – Silberrücken im Nebel“ ins Bewusstsein rücken. Selbstverständlich nicht als akademischer Vortrag, sondern in seiner bewährten, ironischen Selbstreflexion, in die auch das Publikum traditionellerweise mit einbezogen wird.

Ein mit 324 Plätzen restlos ausverkauftes Haus am Stadtsee zeigt, dass Boettcher die Rolle des lokalen Platzhirsches besetzt hat und die Erwartungen für den Abend ganz klar gesetzt sind – Unterhaltung, nochmals Unterhaltung und ganz gerne auch ein bisschen Aha-Effekte aus der Welt der Wissenschaft und aus Böttchers privatem Umfeld. Zunächst einmal erfahren die Besucher jedoch einiges aus dem privaten Umfeld einer Besucherin aus der ersten Reihe, deren Handy ausgerechnet in dem Moment klingelt, als Boettcher die Bühne betritt – für ihn eine Steilvorlage, die er genauso spontan in sein Programm einbaut, wie die streikende Klimaanlage im Haus am Stadtsee. Nach dem Vorgeplänkel widmet sich Boettcher dann aber konzentriert seinem Vorhaben, das Publikum davon zu überzeugen, dass der beschönigende Trendbegriff „Silberrücken“ für Männer stehe, die in den besten Jahren sind. Doch mit Sprüchen wie „Der Silberrücken ist der Anführer einer Polonäse auf dem Weg ins Grab“ klappt dieses Vorhaben noch nicht auf Anhieb. Genauso wenig hilft die Erkenntnis „Schmerzen sind die Paninibildchen im Silberrückenalbum. Ist das Album voll bist du tot“. Zwar spricht Boettcher in diesem Zusammenhang von einem völlig neuen Körperbewusstsein, da jeder Schmerz ein Körperteil in den Wahrnehmungsfokus rücke, aber für die positive Sichtweise auf das Ü50-Zeitalter braucht es andere Ansätze. Doch so sehr sich Boettcher auch müht, seine Kalauer kreisen stetig um den körperlichen und gesellschaftlichen Verfall des Mannes jenseits der 50. Kleine Trostpflaster spicken zwischen dem durchaus humorigen Lamento hervor – der Nachruf als das Schönste, was die Menschheit erfunden hat „es wird alles gelogen sein, aber es wird gut sein!“. Mit 50 hat der Mann zwar den beruflichen Zenit erklommen, doch wirklich beruhigend ist das auch nicht, folgt man Boettchers hervorragender Parodie des großen Tierfilmers Bernhard Grzimek, bei der Beobachtung eines Silberrückens „Den letzten Kampf konnte er für sich entscheiden, doch schon der nächste könnte sein Letzter sein“.

Nach der Pause schwenkt Boettcher dann eher auf das Thema Paarbeziehung ein. Er wendet sich der Ehe zu, da nur sie die „Balsamierungszusätze für ein langes Leben parat hält: Verachtung, Demütigung und Desinteresse“. Konkreter wird dann seine ausführliche Schilderung einer Vasektomie (Anm. d. Red.: Sterilisation des Mannes). Die detailverliebte, emotionsgeladene Darstellung Boettchers verursachte beim Publikum genauso langanhaltende Lachanfälle, wie seinerzeit im Ü40 Programm die geschilderte Prostatauntersuchung.

Was also macht das Leben für den gezähmten Silberrücken lebenswert? Als Mann hat man keine Probleme, aber man verursacht sie, damit diese dann von der Frau gelöst werden können – und zwar auf äußerst synergetische Art und Weise: „zwei Fliegen, eine Klappe“. Und so wurde für Böttcher „aus der Angst 50 sein, eine Lust 50 zu sein“. Den  leidenschaftlich geschilderten Lösungsansatz sollte man sich auf jeden Fall live anschauen, genauso wie das gesamte Programm. Auch wenn die Zusammenfassung einige deprimierende Erkenntnisse parat hält, die Erwartungen der Besucher auf einen gelungenen Abend mit viel befreiendem Lachen wurden erfüllt. Zum Abschluss des 1.Halbjahres haben Hans Ehinger und Roland Metzler von Kultur am See dem Publikum noch einen regionalen Leckerbissen geboten.

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