Vince Ebert, Zukunft is the future

Vince Ebert hört man gerne zu

Die Zukunft kommt von hinten angerauscht und ändert die Möglichkeiten

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 6. Mai 2019

Der Wissenschaftskabarettist Vince Ebert hat es am Freitagabend meisterhaft verstanden, die rund 220 Zuhörer an die Schwelle zur Zukunft heranzuführen. Mit seinem Programm „Zukunft is the future“ bricht Ebert eine Lanze für die aktive Mitgestaltung und Weiterentwicklung des terrestrischen Lebens durch die Menschheit. „Wer Reduzieren und Verzichten predigt, geht davon aus, dass den Menschen nichts mehr einfällt“ so Ebert.

Was dem Stanley Kubrick sein HAL ist dem Vince Ebert sein VAL – eine Form von künstlicher Intelligenz, die im Fall von Ebert das alte Ego seiner Frau Valerie ist. Ein blinkendes Lichtauge auf einem Großbildschirm entpuppt sich im Laufe des zweistündigen Programms nicht nur als äußerst vielwissend, sondern die Besucher werden Zeuge, dass eine Maschine menschliche Züge annimmt – und das wird dann doch ganz schnell unheimlich. Auch wenn es ein etwas paradoxes Wortspiel ist, aber Ebert betrachtete in seinem Programm bis zur Pause die Geschichte der Zukunft und danach die Zukunft der Zukunft. Jawohl, denn dahinter verbergen sich nicht nur interessante wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern dank der pointierten Zusammenstellung von Ebert auch vielerlei Kalauer, die den Nerv des Publikums getroffen haben. Die Zukunft liegt nicht wirklich vor uns, so Ebert, sondern sie kommt – so glaubten es schon die Alten Griechen – von hinten angerauscht. Somit liegt es schon fast zwanghaft nahe, dass viele Zukunftsprognosen scheitern. Dafür ist die Welt einfach zu vielschichtig, erklärt Ebert und macht hochkomplexe, nicht lineare Systeme dafür verantwortlich. Systeme, wie sie vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auftreten. Und trotzdem maßen sich Partnervermittlungsportale an, aufgrund eines Algorithmus Topf und Deckel zusammen zu führen. Auch VAL versucht im Waldseer Publikum anhand statistischer Methoden das Traumpaar zu finden, das später in der Pause von Ebert zum Sekt eingeladen wurde.

Beim Blick auf die Zukunft der Zukunft nimmt Ebert weniger die technischen Visionen ins Visier, sondern er leuchtet die Rolle des Menschen inmitten einer Welt voll künstlicher Intelligenz aus. Es sind die „Was wäre wenn?“ Fragen und die Vorstellungskraft, aus der heraus Visionen entstehen, die Mensch und Maschine trennen. Noch! Denn nicht nur Kubricks HAL, sondern auch Eberts VAL zeigen eine gewisse Autarkie. Ist das künstliche Intelligenz? Auf jeden Fall bringt die Zukunft ein Mehr an Möglichkeiten und es wird spannend bleiben, wie diese das menschliche Verhalten und Denken verändern. Es bedarf aber weiterhin der menschlichen Neugier, die traditionell im Nichtwissen gegründet ist, damit der Mensch seine Grundbedürfnisse nach Selbstbestimmung, Freude und eigenem Willen befriedigt und die Welt verändern kann. „Schrammen sind sexy, Angstschweiß nie“ ermuntert Ebert sein Publikum zur vernünftigen Gestaltung der Zukunft.

Beiträge

Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.