Wolfgang Krebs – Geh zu, bleib da

Lady Gaga der bayrischen Politik produziert viel Gekicher

Wolfgang Krebs verkörpert den bayrischen Esprit in Politik und Kultur

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 27.05.2019

Eine Prise voll politischen Kabaretts am Vorabend des großen Wahlsonntags erwartete die rund 150 Besucher zum Finale im ersten Halbjahr der Veranstaltungsreihe Kultur am See. Mit dem Vorzeigebayer Wolfgang Krebs gastierte am Samstagabend ein Urgestein des bayrischen Kabaretts in Bad Waldsee, der uns Schwaben mal wieder einen tiefen, humorgeladenen Blick in die bayrische Seele gewährte, was von minutenlangem Gekicher und begeisterter Applaus begleitet war.

Die Geschichte ist einfach und könnte überall in der Republik spielen – es dreht sich alles um eine ländliche Gemeinde, deren Verantwortliche besorgt sind, weil die Dorfgesellschaft veraltet und die Jugend wegzieht. Grund sich Gedanken zu machen und gegenzusteuern. Typisch bayrisch aber sind die pragmatische Herangehensweise und die Einbindung der großen Politik, deren Gastredner den Abend wunderbar auflockern. Schorsch Scheberl, Motor der provinzialen Attraktivitätsbewegung, sagt es kurz und knackig „Geh zu, bleib da“. Wesentlich wortreicher dagegen die „Lady Gaga der bayrischen Politik“ –Edmund Stoiber. Gleich mehrmals schlawinert er sich mit seinen fragmentarischen Halbsätzen und exorbitanten Gedankensprüngen durch die große Politik und den Alltag des kleinen Mannes. Krebs verknüpft dabei derart raffiniert die gestammelten Wortfetzen, dass zum einen das Gekicher im Publikum kein Ende nimmt, zum anderen aber durchaus neue bemerkenswerte Erkenntnisse die Großhirnrinde erreichen. Sollte der Brexit tatsächlich vollzogen sein, dann ist Englisch keine europäische Sprache mehr, wird also in den Schulen nicht mehr gelehrt und alle Englischlehrer müssen umgeschult werden. So! Es geht aber auch mit etwas mehr Ernst, wenn sich Krebs, alias Stoiber darüber wundert, warum seriöse Medien im Internet zu jedem sorgfältig recherchiertem Artikel ein Forum für narzisstische Hassschreiber anbieten. Warum?

Gegen die Landflucht braucht es aber Lösungen vor Ort. Beispielhaft für Investitionen durch Bauen auf dem Land tritt König Ludwig II ans Rednerpult und preist sein segensreiches Engagement, für das ihm heute die lokalen Touristiker dankbar sind. Während Horst Seehofer mit weltmännischem Duktus bekennt, als Heimatminister auch für Bad Waldsee zuständig zu sein, irrt Angelika Merkel planlos durch die Vielfalt der süddeutschen Dialekte und fragt besorgt, ob das Schwabenland ausreichend mit Logopäden versorgt ist.

Damit das Durchschnittsalter nicht nur an Weihnachten und Ostern sinkt, präsentiert Schorsch Scheberl eine ganz eigene Lösung um die Jugendlichen Ort zu halten. Das Jahresbierzelt mit Freibier und Party bis zum Abwinken, so dass keiner mehr den Realschulabschluss schafft und alle im Ort bleiben. Geh zu, bleib da, wennst woißt, was I mein.

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