Zauberkünstler Ken Bardowicks

Wie heißt das Zauberwort?

Ken Bardowicks verblüfft die Zuschauer mit abgebrühter Zauberei

erschienen in der Schwäbischen Zeitung vom 27.11.2017, Ausgabe Bad Waldsee – Aulendorf

 

Dass die Wahrnehmung virtuell sein könnte, erlebten rund 110 Zuschauer bei den verblüffenden Zaubertricks von Ken Bardowicks am Samstagabend im Haus am Stadtsee. Eingebettet hatte Bardowicks seine unscheinbaren, jedoch genialen Tricks in ein kurzweiliges Kabarettgeplauder, das zwar teilweise mit recht schrägem Humor aufwartete, aber gerade aus dieser Abgeklärtheit einen unvergleichlichen Charme zog. Die Veranstalter von Kultur am See hatten mit Bardowicks ein Multitalent nach Bad Waldsee geholt, der sich aus der Masse der hinlänglich bekannten Kabarettisten wohltuend heraushebt und eine größere Zuschauerzahl verdient hätte.

Wie also heißt nun das Zauberwort? Eine Frage die den jungen Ken vom elterlichen Frühstückstisch bis zum legendären Kaninchen im Zylinderhut zeitlebens begleitet. Allein das Zauberwort genügt nicht immer, denn viermal blickt Bardowicks im Laufe des Abends in den leeren Zylinder und erst im fünften Anlauf entschlüpft dem legendären Zauberutensil ein Frotteekaninchen. Das Spektakuläre, ein Bardowicks-typischer Trick, kam aber erst noch, entpuppte sich doch das Kaninchen als hochschwanger und das Licht der Welt erblickte ein Smartphone, welches Bardowicks zehn Minuten zuvor noch einem Publikumsgast abgeschwatzt hatte. Nun sind Schwangere und Geburtsszenen nicht gerade typische Bausteine bei Zauberkünstlern, aber man muss wissen, dass sich Bardowicks Programm „Mann mit Eiern“ in vielen Sequenzen um eine Hebamme dreht, jene Hebamme, die auch seine Freundin und Angebetete ist. Und nun kommen die Gemeinsamkeiten ins Spiel, den Hebamme und Zauberkünstler lassen Dinge erscheinen, bei denen man sich nicht immer ganz sicher ist, wo sie nun denn nun wirklich herkommen. In seiner Testrede für den Zaubererkongress legt er auch dem Waldseer Publikum dar, dass die Wahrnehmung eine virtuelle Sache sei und man sich zu Recht fragen sollte „Was ist Wahrheit?“. „Mißtrauen Sie allen und jedem – außer mir!“ lautet sein Rat, nur um gleich darauf den Ehering einer Besucherin verschwinden zu lassen. Zunächst keine allzu aufregende Sache, allerdings als eine viertel Stunde später der Ring im Eigelb eines frisch aufgeschlagenen Hühnereis schwimmt, da wird es dann doch offensichtlich, dass Bardowicks nicht von ganz ungefähr unzählige magische Preise sein eigen nennen darf. Der Vollständigkeit sollte man noch erwähnen, das Ei mit dem Ring befand sich in einer Zitrone und diese wiederum in Grapefruit – auch wenn es unwahrscheinlich klingt. Für die Unwägbarkeiten des Lebens ist Bardowicks dank schrägem Humor und Zauberkünste bestens gewappnet. Seine zwei Goldfische heißen „Eins“ und „Zwei“. Sterbe Eins, so habe er immer noch Zwei, erklärt er dem verdutzten Publikum. Sollte seine angebetete Hebamme dem Heiratsantrag zustimmen, müsse er sie wohl auch über die Schwelle im vierten Stock tragen. Als Zauberkünstler gibt’s für derart schwierige Probleme den Trick mit der schwebenden Jungfrau oder falls diese gerade fehlt, mit der schwebenden Besenpuppe. Dass die gemeinsame Katze dann nicht Blacky, sondern Katze mit Migrationshintergrund getauft wurde – nun, auch das gibt zu denken. Seine weiteren Ausführungen über das Selbstverständnis mit dem Katzen von ihren Herrchen Besitz nehmen, bereiteten dem Publikum sichtlich Freude. Was braucht man sonst noch zum Zaubern? Ein Duden für Vornamen, ein Kartenspiel, zur Not geht’s auch ohne und Bardowicks zeigt virtuelle Kartentricks, in denen kraft der Phantasie der Zuschauer echte Karten auf der Bühne entdeckt werden. Wie also lautet nun das Zauberwort für all die Tricks? Es lautet „Jetzt“ und sicherheitshalber wird noch ein kleines Simsalabim nachgeschoben.

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