Kolpingtheater Bad Waldsee

“Morgens Fango – abends Tango” 

Das Wichtigste ist und bleibt die Diskretion !

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 23. Januar 2017, Ausgabe Bad Waldsee

Die Premierenvorstellung am Samstagabend war mit rund 230 Besuchern ausverkauft. Das Kolpingtheater Bad Waldsee präsentierte mit 10 Schauspielern sein diesjähriges Stück „Morgens Fango, abends Tango“ das noch an sieben weiteren Terminen zu sehen sein wird. Diese legendäre Redewendung, mit der das Kurwesen gerne mal auf die leicht süffisante Art charakterisiert wird, war für die Theaterautorin Regina Rösch der Stoff für eine Komödie in drei Akten. Obwohl es ein sehr häufig gespieltes Stück ist, in der Kur- und Bäderstadt Bad Waldsee haben es die Waldseer Theatermacher bisher nicht auf die Bühne gebracht. Jetzt also war es soweit, die Komödie gewährte während der rund zweieinhalbstündigen Aufführung Einblicke in die Geheimnisse für einen erfolgreichen Kurverlauf.

Das Theaterstück „Morgens Fango, abends Tango“ gliedert die zehn Akteure in fünf unterschiedliche Charaktergruppen, die immer paarweise besetzt sind. Aus ihrer jeweils individuellen Sichtweise setzen sie sich mit dem Phänomen Kurschatten auseinander. Die Ehemänner haben jahrelange Erfahrung, die Ehefrauen lernen sehr schnell, die Heiratsschwindler ziehen alle Register der Galanterie, die frivolen Damen hingegen versuchen auf ihre Kosten zu kommen. Damit dies alles nicht im heillosen Chaos versinkt, doch genau davon handelt eigentlich das Stück, gibt es auch noch die Bediensteten der Kurklinik, welche als fünfte Charaktergruppe die Geschicke lenkt und steuert.

Hauptakteure sind die beiden Freunde, Feuerwehrmänner und Ehemännern Oswald (Stefan Scheiter) und Emil (Franz Müller). Mit ihren leicht tyrannischen Ehefrauen haben es die beiden nicht leicht, weshalb sie sich Jahr für Jahr einen Kururlaub im idyllischen Bad Waldsee gönnen – für die Seele, den Körper und vor allem für das Selbstbewusstsein. In Sachen Kurschatten haben die beiden also Erfahrung. Die wehrten Gattinnen Helga (Christine Auer) und Betty (Marion Metzler) mischen aber dieses Jahr die Kur auf und begleiten ihre Männer. Für sie ist das Thema Kurschatten bis dato völlig unbekanntes Terrain.

Die beiden Freundinngen Chantal (Helga Munz) und Jacqueline (Yvonne Kaemnitz) wissen sich gekonnt in Szene zu setzen, um sich den Kururlaub von willigen Mannsbildern finanzieren zu lassen. Sehr schnell geraten Oswald und Emil in ihr Visier und es fügt sich zusammen, was scheinbar zusammen passt. Auch die beiden Freunde Ferdinand von Cartier (Robert Ettinger) und Adalbert Baron von und zu Stadelhofen (Reinhard Schüssler) sind eher hinter dem Geld her, als hinter dem amourösen Abenteuer. Doch genau über dieses führt ihr bewährter Weg direkt in die Arme von Helga und Betty. Die beiden Damen, im ersten und zweiten Akt noch eher vertrocknete Landpomeranzen mit Uralt-Dauerwelle, entwickeln sich prächtig. Modisch gestylt mit schickem Schnitt wissen sie den beiden Verehren und dem Publikum zu gefallen. Dies alles kann natürlich nicht funktionieren, wenn man mit dem Ehemann das Zimmer teilt. Also reift bei den Damen Helga und Betty zum Ende des zweiten Aktes auch die Erkenntnis, dass richtige Erholung in der Kur nur möglich ist, wenn dies mit Urlaub vom Ehebett verbunden ist. Den beiden Männern Oswald und Emil kann´s nur recht sein und sie sehen endlich freie Bahn für eine Kur, wie sie es seit Jahren gewöhnt waren. Es könnte so schön sein, wäre da nicht die Sorge um das liebe Geld. Denn erstens haben Jaqueline und Chantal hohe Ansprüche und zweitens haben auch die geschätzten Gattinnen die Vorzüge eines luxuriösen Lebensstils entdeckt.

Die Versiertheit mit der das Ensemble das Stück auf die Bühne bringt begeistert das Publikum. In den Pausengesprächen wird die Spielfreude, die Mimik und Gestik der Akteure durchweg gelobt. Mit den Hauptdarstellern Stefan Scheiter, Franz Müller, Christine Auer und Marion Metzler haben Regisseur Ulrich Hörmann und Co-Regisseur Roland Metzler natürlich Schauspieler im Ensemble, deren ausdrucksstarke Mimik oft noch mehr sagt, als die souverän beherrschten Texte. Doch auch die anderen Charaktere, von Nebenrollen zu sprechen ist bei diesem Stück definitiv unangebracht, beherrschen ihr Metier. Robert Ettinger und Reinhard Schüssler als versnobte Schnösel zeigen wie Stil funktioniert.

Die Geschichte nimmt im dritten Akt teils recht unerwartete Wendungen, bei denen die erfahrene Theaterautorin wohl etwas die Struktur verloren hat. Da mag man sich zwar wundern, aber die Situationskomik und die vielen kleinen und großen Pointen in der Geschichte bescherten einen gelungenen Theaterabend. Und wenn es eine Lehre aus „Morgens Fango, abends Tango“ für eine gelungen Kur gibt, dann nur jene die Masseur Harry zum Besten gibt: „Das Wichtigste ist und bleibt die Diskretion“.

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