Traumschöff open air musical

Kultur kehrt zurück an den Stadtsee

Schlagerrevue auf dem Traumschöff macht gute Laune

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 19.07.2021

Eigentlich genau das richtige Rezept mit an Bord hatte das vierköpfige Ensemble des Kammertheater Waldsees, das an den vergangenen vier Tagen am Stadtsee Bad Waldsee die mobile Bühne aufgebaut hatte. Ein kurzweiliges Gute Laune Stück gepaart mit Schlagermusik sorgte am Freitagabend bei rund 70 Zuschauern für glückliche Momente und Begeisterung.

Bereits schon am Donnerstag zeigte das Ensemble von Bernd Gnann das Open Air Musical Traumschöff (sic!), allerdings begleitet von Regengüssen vor nur 30 Zuschauern. Einen geradezu idealen Sommerabend durften dagegen die Besucher am Freitagabend erleben, es war trocken und golden senkte sich die Sonne über dem Stadtsee, derweil auf dem legendären Traumschöff die Passagiere dem großen Urlaubsglück entgegen fieberten. Wie es dazu gekommen ist, dass der Luxusdampfer aus Karlsruhe ausgerechnet am Kai des Rudervereins Waldsee festgemacht hat, erfuhr die SZ vom Tourneeleiter Lucas Sellin. Das Förderprogramm „Neustart Kultur“ des Bundesverbandes Soziokultur ermöglichte es dem Kammertheater Karlsruhe eine mobile Bühne zu erwerben und somit die Kultur zu den Leuten zu bringen, die in Orten wohnen, in denen es keine Theater gibt. Mit drei selbstgeschriebenen Stücken des Theaterintendanten Ingmar Otto hatte man ein Konzept entwickelt, mit dem die Truppe 22 Wochen lang im Ländle auftreten will. Als das Projekt stand, war das Interesse von Städten und Gemeinden überwältigend, so dass Gnann die Spielorte auswählen konnte. Der aus Bad Schussenried stammende Gnann wählte in seiner oberschwäbischen Heimat gleich mehrere Spielorte, zu denen auch Bad Waldsee gehört. Mit der Unterstützung des routinierten Kleinkunstvereins Spektrum K wurde das viertägige Gastspiel auf dem Gelände des Rudervereins Bad Waldsee organisiert. Vereinsvorstand Dieter Seebold erklärt, dass man das Gelände und die Anlegestelle für das Traumschöff gerne zur Verfügung gestellt habe, denn als Sportverein sitze man beim Corona-Lockdown mit den Kulturschaffenden im selben Boot.

Das Traumschöff also legte pünktlich um 20:00 Uhr ab und hatte eine illustre Gesellschaft an Bord, die bereitwillig die Klischees rund um das Phänomen Kreuzfahrt bediente. Das junge und höchstverliebte Pärchen Andreas und Andrea – leider noch nicht im Honeymoon. Das solide und gesetzte schwäbische Paar Martin und Helena, das mit den Ausgaben eher locker umgeht, schließlich war ja die Reise ein Glückspielgewinn. Der gutaussehende Frauenschwarm Bodo der sich aktuell mit einer Tochter Moskaus umgibt, deren äußere Erscheinung durch das eine oder andere Implantat beeinflusst wird. Dann gibt es noch die Crew, allen voran der Kapitän, die Chefstewardess, den Animateur und ein paar dienstbare Helfer. Genug Akteure um ein bisschen Verwirrung und Slapstick um das große Thema Liebe zu entwickeln. Jeder Akteur und jeder kleine Fortschritt der Story wird von einem live gesungenen Schlager begleitet. Es ging mit 80 Küssen um die Welt, man traf die, die immer lacht, stellte fest, dass es in jedem Scherbenmeer ein Mosaik zu entdecken gibt, die Herzen beben und es halt doch eine geile Zeit war. Wer nun wann mit wem was und wie angestellt hat, wo die Liebe hingefallen ist und wo sie nur kurz vorbei geschaut hat – all das kumulierte in einer Nacht unterm Sternenhimmel, die am nächsten Morgen nicht nur verkaterte Köpfe sondern auch viele Fragen zurück ließ. Vielleicht haben die Autoren einen Blick auf den Plot der Rocky Horror Picture Show geworfen. Eine Story die nicht immer ganz logisch ist, die aber ungemein viel Spaß und gute Laune macht. Viel Musik und viel Happy End mit dem jungen Paar, das endlich die große Liebe gefunden hat und auch die anderen Paare wissen wieder warum sie miteinander das große Los gezogen haben. Einer der sich im Schlagermilieu bestens auskennt ist der Waldseer Schlager DJ Elme. „Das ist eine super geniale Performance, es sind schöne, eingängige Schlager, ideal zum Mitsingen“ zeigt er sich nach der Aufführung begeistert.  

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