Varieté im Neyer Forum

Spirit Dreams verwirklicht Lebensträume und entschleunigt

Dirk Denzer´s Varietékünstler begeistern das Publikum im Neyer Forum

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 25.04.2022

Den Dreiklang mit Varietékunst, Livekonzert und Lebensweisheiten aus dem spirituellen Kontext des Yoga wagte Dirk Denzer in seiner neusten Show Spirit Dreams, mit der an diesem Wochenende im Neyer Forum in Mennisweiler zu Gast war. Inclusive der VIP Gäste der Firma Neyer Landtechnik war die Premierenvorstellung am Freitagabend mit rund 300 Besuchern ausverkauft. Der langanhaltende, stehend vorgetragene Schlussapplaus des Publikums gab Zeugnis, dass es Denzer gelungen ist, mit seinem Konzept Begeisterung zu entfachen. „Es geht darum Träume in die Tat umzusetzen – tun Sie´s, am besten gleich, noch heute Nacht – dazu wollen wir Sie inspirieren“ erläuterte Denzer sein Anliegen.

In der Tat – die Inspirationen während des zweistündigen Programms waren vielfältig. Jeder Programmpunkt wurde unter ein spirituelles Motto gestellt. Die sechsköpfige Varietéband – Denzer selber spielte die Akustikgitarre – begleitete alle Showvorführungen der Künstler mit selbstkomponierten Stücken, die im Tempo und Rhythmus direkt zu akrobatischen Vorführungen passten. Bei den Liedtexten hingegen handelte es sich um uralte spirituelle Mantras in Sanskrit (Anm.d.Red. altindische Sprache im Hinduismus). Mit dem gleichzeitigem Einsatz modernster Projektionstechnik, finanziert durch das Bundesprogramm „Neustart Kultur“, schlägt Denzer mit seiner Show die Brücke über Jahrtausende und bündelt Altes mit Neuem. 

Zwischen Himmel und Erde spielte sich die Darbietung von Tanja Scholding und Liz Williams ab. An Vertikaltüchern, die von der Hallendecke bis auf den Boden reichten, zeigten die Beiden ihre atemberaubenden Kunststücke. Mucksmäuschenstill, das Publikum wagte kaum mehr zu atmen, war es bei dem großartigen Balanceakt von Mädir Rigolo. Es war eine einzige Feder mit der Rigolo 14 Holzrippen in Balance hielt. Die zwischen einem halben und zweieinhalb Metern langen Holzrippen drapierte Rigolo derart kunstvoll aufeinander, dass sie ein im Raum frei schwebendes Objekt bildeten. Erst nach der Wegnahme der Feder stürzte alles krachend in sich zusammen. Zweifelsohne ein absoluter Höhepunkt im Programm. Ebenfalls mit viel Applaus bedacht, wurde Sophia Speratti, die insgesamt vier Bälle mit ihrem Körper fixierte, derweil sie auf einem Handstandständer anspruchsvolle Balanceübungen vollzog. Zwischendurch waren die Lachmuskeln des Publikums gefordert. Der im Zirkus Roncalli erprobte Schweizer Thomas Leuenberger war unter dem Künstlernamen Baldrian angetreten, um dem Publikum zu einem entspannten Lebensgefühl zu verhelfen. Mehrere Lektionen in Sachen Entschleunigung zeigten den Besuchern dass es, erstens auch anders geht und zweitens ungeheuer lustig sein kann, wenn mit der langsamsten Jonglage ein Weltrekord gebrochen wird. Olena Yakimenko hingegen zeigte ästhetisch choreografierte Übungen im Luftring hoch über den Köpfen der Zuschauer. Werner Belowski verblüffte mit seiner Seifenblasenkunst, mit deren Hilfe er die Frage „Sein oder nicht Sein“ lösen wollte. Wild wirbelnde Diabolos und zwei Körper die im großen Cyr Wheel akrobatische Liebesvariationen zeigen sind weitere Programmpunkte. Hier reiht sich auch die Hutakrobatin ein, die vier Hüte wirbeln lässt, derweil die Sängerin Canan Semel eine besonders schöne Version von Leonhard Cohen´s Halleluja singt. Auch zum Schluss hin wurde es richtig musikalisch. Ein Harlekin spielte auf der Glasharfe zunächst einmal das Stück Chim Chim Cheri, doch als er Amazing Grace anstimmte, summte das Publikum spontan mit, die Sängerin und die Band stießen dazu und das große Finale mit allen Künstlern auf der Bühne nahm seinen Lauf. Lang anhaltender Applaus und beeindruckte Zuschauer waren der Lohn für die Künstler.

Ein Abend voller Livemusik und die atemberaubende Showacts der Künstler hinterließ beim Publikum zu Recht Staunen und Begeisterung. Es sollte also möglich sein, dass sich auch der Traum Denzer´s realisieren lässt und er mit seinem Ensemble auf internationale Tournee gehen darf.

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