Wasserversorgungsverband-Schussen-Rotachtal

Ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zur Autarkie

Wasserversorgungsverband Schussen-Rotachtal schließt Bauarbeiten am Schachtbrunnen ab

Veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 14.05.2021

Über ein Jahr wurde in Aulendorf für den Wasserversorgungsverband Schussen-Rotachtal (WVSR) gebaut. Bei der Verbandssitzung am vergangenen Dienstag konnten die Verbandsmitglieder nun den neu gefassten Schachtbrunnen besichtigen und sie bekamen Informationen zum aktuellen Stand auf dem langen Weg zur Wasserautarkie.

Wasser war am Dienstagabend das alles bestimmende Thema, denn es regnete gerade heftig, als Verbandsvorsitzender Oliver Spieß seine Mitglieder am Wasserreservoir in der Hillstraße in Aulendorf begrüßte. Allerdings freuen sich die Wasserversorger über Regen, der für das Grundwasser eine gute Sache ist. Denn der Grundwasserspiegel sinkt spürbar, bleiben die Niederschläge aus, so wie es in den letzten Trockenjahren der Fall war. Der verbandseigene Brunnen bringt dann zu wenig Wasser und der WVSR muss von anderen Wasserversorgern das kostbare Nass zukaufen. Ein Grund also, die eigene Autarkie zu stärken, indem innerhalb des Verbandsgebietes zusätzliche Quellen erschlossen werden. Begünstigt wurde dies durch ein Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg, zu Reaktivierung brachliegender Ressourcen. Diese brachliegenden Ressourcen waren im konkreten Fall drei Quellen im Buchwald und ein Schachtbrunnen beim Mahlweiher. Über die Bauarbeiten im Jahr 2020 berichtete die SZ ausführlich. Im Ergebnis lässt sich jetzt feststellen, dass die Quellen nicht die erhoffte Ergiebigkeit gebracht hatten, während hingegen der Brunnen in Menge und Güte des geförderten Wassers positiv überraschte. Die Unterschiede zwischen Quelle und Brunnen liegen letztlich in der Art, wie das Wasser gewonnen wird. In einer Quelle tritt es mehr oder weniger selbständig an die Oberfläche, in einem Brunnen wird es mittels Pumpe aus einem Schacht oder einem Rohr aus der Tiefe geholt, erklärt der Verbandstechniker Joachim Schneider auf Nachfrage der SZ.

Am Mahlweiher konnte nun mit einem neuen Pumpwerk auf einem historischen Schachtbauwerk aufgebaut werden. Das ist ein historischer, gemauerter Brunnenschacht mit drei Metern Durchmesser. Der war in so einem guten Zustand, dass fast nichts gemacht werden musste, schwärmt Wassermeister Rainer Schuler. Er wartet im Pumpenbauwerk, das nacheinander immer zwei Verbandsmitglieder zur Besichtigung betreten. Man erfährt bei dieser Gelegenheit auch dass mit Lehm das Gelände rund um den Brunnen herum abgedichtet wurde. So kann es zu keiner Vermischung von Oberflächenwasser (leider nicht immer unbelastet) und Grundwasser kommen.

Seit der Brunnen technisch einsatzbereit ist, laufen Pumpversuche und die Wassergüte wird überwacht. Der Nitratwert liegt erfreulicherweise bei nur 21 mg/l und von der Förderleistung wären im Dauerbetrieb rund sieben Liter pro Sekunde möglich.

Hingegen offenbarten die Bauarbeiten an der Quelle im Buchwald, dass die Geologie leider nicht die erwartete Konstanz bot. Durchlässige und weniger durchlässige Schichten im Wechsel verteuerten den Bau und behindern die Verfügbarkeit des Quellwassers. Auf dem Weg zur Autarkie muss der WVSR auch die Beeinträchtigungen von Natur und Umwelt durch Ersatzmaßnahmen ausgleichen. Neben Ersatzpflanzungen kommt hierfür aber auch der Erwerb von Ökopunkten in Frage.

Da die Ergiebigkeit von Quellen und Brunnen sich nicht mit den bisher genehmigten Wasserrechten deckt, müssen diese ausgeweitet und durch wasserrechtliche Erlaubnis die Entnahmemenge angepasst werden. Mit einher geht aber auch gleichzeitig die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes. Dessen Größe und Beschaffenheit wiederum ist abhängig von den genehmigten Wasserentnahmemengen. Vieles greift ineinander, wenn die verschiedenen Akteure rund um die Trinkwasserversorgung auf ihre Belange hinweisen. Herr Weitzenkamp von der Ingenieurgesellschaft Bieske & Partner stellte die Zusammenhänge her. Für ein Wasserschutzgebiet braucht es ein Grundwassermessstellennetz. Das gibt es seit 2017. Dann muss eine Wasserfassung technisch auf dem aktuellsten Stand sein. Das ist durch die jetzt abgeschlossenen Baumaßnahmen der Fall. Dann muss über eine wasserrechtliche Genehmigung bestimmt werden, wie groß die Entnahmemenge sein kann. Dies gilt es jetzt zu beantragen und dabei könnte der als Biotop geschützte Mahlweiher eine Rolle spielen. Schließlich muss das Wasserschutzgebiet durch Rechtsverordnung des Landratsamtes festgesetzt werden. Auf dem Weg zur Trinkwasserautarkie ist der Wasserversorgungsverband Schussen-Rotachtal einen wichtigen Schritt weiter gekommen, aber noch lange nicht am Ziel angekommen.

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