Weihnachten in Bad Waldsee 2021

Hirtenweihnachtsfeiern bei Wind und Regen erfahren Zuspruch

Mach´s wie Gott – werde Mensch

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 27.12.2021

War die Hirtenweihnacht auf dem Feld und im Wald jahrzehntelang eine romantisch idealisierte Variante der Geburt Jesu am Heiligen Abend, so hat sie sich nun im Jahr 2021 als eine der praktikabelsten Formen für die Feier des kirchlichen Weihnachtsfest herauskristallisiert. In Michelwinnaden wurden sowohl die Krippenfeier, wie auch ein Wortgottesdienst zur Heiligen Nacht im Burghof gefeiert und später, inmitten der Weihnacht, trafen sich rund 60 Gläubige auf dem Hügel der Volkertshauser Kapelle, wo Pfarrer Stefan Werner die Gläubigen dazu einlud „das Geheimnis der Geburt Christi zu erlauschen“.

Es dämmerte und obwohl es so nach und nach zu regnen begann, strömten in Michelwinnaden sehr viele Familien am Heiligen Abend zum Krippenspiel in den Burghof. Am Ende waren es 70 Erwachsene und 30 Kleinkinder die fasziniert dem personell aufs wesentliche beschränkten Krippenspiel folgten. Pastoralassistent Andreas Hund und Stefan Fischer erzählten die Weihnachtsgeschichte und Maria und Josef, sowie ein Hirtendarsteller machten das Gehörte für die Kinder sicht- und erlebbar. Hund verknüpfte die 2000 Jahre alte Geschichte aus dem Lukasevangelium direkt mit der Krippenfeier. An Weihnachten kommen viele Menschen wieder nach Hause an ihren Geburtsort und auch vor 2000 Jahren waren die Menschen aufgefordert, sich an ihren Geburtsort zur Volkszählung zu begeben. So auch Maria und Josef – und schon nahm das Weihnachtsevangelium samt Herbergssuche seinen Lauf. Eine Jungbläsergruppe des Musikvereins Michelwinnaden und die Sängerin Franziska Schwägler umrahmten die Feier mit zahlreichen bekannten Weihnachtsliedern.

Gegen Mitternacht hatte der Regen wieder aufgehört, dafür wehte ein frischer Wind auf der Höhe der Volkertshauser Kapelle, deren Südfassade weithin sichtbar illuminiert war. Zusammen mit einem 12-köpfigen Bläserensemble erwartete Pfarrer Stefan Werner die rund 60 Gläubigen, die auf die hängige Wiese vor der Kapelle gekommen waren. „Wir sind hier, um die Weihnachtsbotschaft zu erlauschen, um zu singen und um uns vom Glanz dieser Nacht anstecken zu lassen“ begrüßte Werner die Gläubigen. In einer persönlichen Ansprache lenkte er die Aufmerksamkeit auf das Licht der Hoffnung, das allen Menschen leuchtet und das von den Christen Gott genannt wird. Genauso wie die Hirten in der Heiligen Nacht von der Herrlichkeit Gottes umstrahlt wurden, ergehe es auch uns, so Werner. Ein Bild, das im Angesicht der beleuchteten Kapelle inmitten der nächtlichen, oberschwäbischen Landschaft im Gedächtnis bleiben wird. Zum Abschluss spielte ein einzelner Dudelsackspieler das wohl populärste Kirchenlied Amazing Grace.

An Weihnachten feiert die Christenheit die Menschwerdung Gottes, Jesus ist das Wort Gottes zum Anfassen geworden, denn Jesus ist Mensch geworden, erklärte Gemeindereferentin Sandra Weber am Weihnachtstag ihre Sicht auf das Weihnachtsfest. Doch mit dem Menschsein sei das keine Banalität, denn Jesus definiere durch sein Leben was Menschsein bedeute. Menschsein passiert in der Begegnung mit Menschen. Bei Jesus sind diese Begegnungen authentisch, sie sind wertschätzend und aufmerksam. Jesus ist einfach da und hilfreich waren die Begegnungen mit ihm ohnehin. Für Weber ist das die Weihnachtsbotschaft und sie bringt es auf den Punkt mit einem Zitat des Limburger Bischof Franz Kamphaus „Mach´s wie Gott, werde Mensch“.

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