Zahnarzt Dr. Ruopp

45 Jahre Zahnarzt – Dr. Ruopp geht in Ruhestand

„Aber nur mit Spritze“ – wenn ein Zahnarzt zum Zahnarzt muss

Veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 15.06.2021

Das Praxisschild in der Hauptstraße 25 in Bad Waldsee wird am 30. Juni abgehängt. Dann endet die fast 45-jährige Geschichte der Zahnarztpraxis von Dr. Albrecht Ruopp in Bad Waldsee. Die Schwäbische Zeitung hat ihn deshalb vor kurzem in seinen Praxisräumen besucht, ist es schließlich alles andere als selbstverständlich, mit fast 79 Jahren noch am Behandlungsstuhl zu sitzen.

Doch ein Alleinstellungsmerkmal ist das nicht, wie Ruopp vor kurzem festgestellt hat. Im Bezirk Tübingen der kassenzahnärztlichen Vereinigung ist er einer von fünf ältesten, praktizierenden Zahnärzten. Dass er überhaupt so lange praktiziert hat zwei einfache Gründe. Seine Frau arbeitet auch noch und weil er es kann. So lapidar, dieser Kalauer klingt, aber es ist eben keine Selbstverständlichkeit, mit 79 eine perfekte Feinmotorik und eine ruhige Hand zu besitzen. Beides aber Eigenschaften, die man bei einem Zahnarzt nicht missen möchte.

Blickt man mit Ruopp zurück zu den Anfängen, so steht da für den aus Pfullingen Stammenden zunächst ein Medizinstudium in Tübingen. 1969 entscheidet er sich aber dann für ein Studium der Zahnmedizin in Würzburg und schließt dieses 1974 mit dem Examen ab. Ein Jahr Zahnklinik in Würzburg und ein Jahr Praxistätigkeit in Reutlingen sind die Voraussetzungen für die Eröffnung einer eigenen Praxis. Ein freier Praxisplatz und die mittige Lage zwischen den Wohnorten von Eltern und Schwiegereltern gaben den Ausschlag für den Standort Bad Waldsee. Am 1. Dezember 1976 eröffnete Ruopp seine Praxis in den umgebauten Räumen des früheren Hotels Bären in der Hauptstraße. Mit dem Neubau der Buchhandlung Schagemann ab 1988 wechselte Ruopp dann an den jetzigen Standort in der Hauptstraße 25.

Hatte man früher noch Angst, wenn man zum Zahnarzt musste, so ist ein Zahnarztbesuch inzwischen zur Normalität geworden. Kinder und Jugendliche sind inzwischen zu fast 100% kariesfrei, was zeigt, dass die Prophylaxe als großer Erfolg gewertet werden kann. Gerade bei Kindern habe die Angst in den letzten 45 Jahren deutlich abgenommen, stellt Ruopp fest. Auch er selber habe keine Angst, wenn er sich von einem Kollegen behandeln lässt, wobei die Spritze, die muss schon sein. War diese in den 70-er Jahren noch die Ausnahme, so ist sie inzwischen weitreichender Standard geworden. Eine der Veränderungen, die er in 45 Jahren mitgemacht hat. Wesentlich einschneidender waren aber zwei technische Errungenschaften dieser Epoche. Mit Beginn seiner beruflichen Tätigkeit wandelte sich das Erscheinungsbild sämtlicher Zahnarztpraxen – und zwar bis heute. Die ergonomische Behandlung hielt Einzug, das bedeutet, dass der Arzt nicht mehr allein am Patienten tätig war, sondern fortan mit Hilfe einer Assistentin behandelte. Dafür musste der Behandlungsstuhl und die Möblierung angepasst werden – sie wurde so, wie wir sie heute in jeder Praxis vorfinden. Der nächste zahnmedizinische Quantensprung findet gerade statt. Es ist die computergesteuerte Anfertigung von zahnprothetischem Ersatz. Statt im Abdruckverfahren wird die Zahngeometrie photogrammetrisch erfasst. Das Gebissmodell, genauso wie die neue Krone, Brücke oder Prothese entstehen nun durch 3-D Druck. Mit der Technik hat sich zum Bedauern von Ruopp auch die Bürokratie entwickelt. „Sie ist ins unermessliche gestiegen“. Dennoch blickt er zufrieden auf seine Berufszeit zurück. Obwohl der Zahnarzt immer als jemand wahrgenommen wird, bei dem es weh tut, gab es auch Momente mit positiven Rückmeldungen. „Wunderschöne Zähne“ war ein freudiger Ausruf nach zahnästhetischen Maßnahmen. Als Zahnarzt müsse man technisch begabt und geschickt sein, nur medizinische Kenntnisse reichen nicht. Ruopp war es immer wichtig, dass seine Patienten gut versorgt, gut beraten und in guten Händen sind. In diesem Sinne werden seine Patienten zukünftig von der Praxis Dr. Harald Gabora versorgt. Und auf was freut sich Ruopp ab dem 1. Juli? Darauf, dass man die Freiheit hat, nicht mehr von einem „Muss“ abhängig zu sein. Das bedeutet zum Beispiel im Urlaub so lange zu bleiben, solange es schön ist, also auch deutlich länger als geplant. Ein Konzept, dass rückblickend auch auf seine berufliche Tätigkeit zutreffen könnte – ein bisschen länger als geplant, weil es eben schön war.

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