GNSS Testfeld Osterhofen

Osterhofen hat die genauesten Punkte Oberschwabens

Geodäten prüfen ihre GNSS-Geräte auf Genauigkeit in Osterhofen

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 03.05.2022

In konstanter Regelmäßigkeit, Jahr für Jahr, trifft man in den Feldern nördlich von Osterhofen auf Vermessungstrupps. Auch Martin Gallasch und Linda Schellinger vom Vermessungs- und Flurneuordnungsamt in Ravensburg sind bereits früh am Tag mit einem Stativ, einem Feldcomputer und einer GNSS-Antenne (Global Navigation Satellite System) unterwegs. Sie überprüfen, ob ihre Messausrüstung noch den Genauigkeitsanforderungen entspricht.

Jeder Privatmann kennt die Navigationsfunktion des Handys, die allgemein als GPS bekannt ist und mit der die eigene Position auf wenige Meter genau bestimmt werden kann. Behörden und Ingenieurbüros nutzen seit geraumer Zeit natürlich auch die Möglichkeit, mittels Satellitennavigation ihre Vermessungen durchzuführen. Es liegt auf der Hand, dass es dafür aber einer höheren Genauigkeit bedarf. Für die amtlichen Vermessungen der Flurstücksgrenzen fordert der Gesetzgeber eine Genauigkeit von drei Zentimetern. Um diese Genauigkeit zu erreichen, nutzen die GNSS-Geräte mehrere Satellitensysteme. GPS ist eines der ältesten Systeme und gehört den Amerikanern. Aber auch Russland, China, Indien und Japan haben eigene Navigationssatelliten im Orbit stationiert. Seit wenigen Jahren im Einsatz ist das europäische System GALILEO, welches ebenfalls von den Geodäten genutzt wird. Bei der Vermessung mit einem GNSS Gerät gibt es jedoch viele Faktoren, die auf die Genauigkeit der Ergebnisse einwirken. Deshalb ist es für die Geodäten wichtig, dass sie ihre Systeme regelmäßig auf die erreichbare Genauigkeit überprüfen.

Christoph Gebert, Sachgebietsleiter im Ravensburger Vermessungs- und Flurbereinigungsamt erklärt im Gespräch, dass es genau für diesen Zweck in der Nähe von Osterhofen ein GNSS Testfeld gibt. Es besteht aus mehreren dauerhaften Kontrollpunkten. Diese wurden zuletzt 2021 in einer aufwändigen, bundesweiten Vermessungskampagne mit einer Genauigkeit von wenigen Millimetern definiert, so Gebert. Zuständig für die Einrichtung und Überwachung des GNSS Testfeldes ist das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung in Stuttgart (LGL), das in Baden-Württemberg insgesamt acht Testfelder betreut. Auf seiner Internetseite stellt das LGL die exakten Koordinaten dieser Kontrollpunkte für jedermann zur Verfügung. Interessant sind sie aber nur für Vermessungsbüros und Behörden, da diese über entsprechende Geräte verfügen, um mit Zentimetergenauigkeit zu vermessen.

Die Überprüfung der Messgeräte ist aufwändig. Gallasch erklärt im Gelände den Ablauf der Kontrollmessung. Auf den drei Kontrollpunkten muss nach einem bestimmten Schema gemessen werden, dass vom LGL vorgegeben ist. Pro Messgerät legen er und seine Kollegin dafür eine Strecke von rund sechs Kilometern zurück. Allein im Ravensburger Amt hat man acht GNSS Geräte, die mindestens einmal pro Jahr – so verlangt es die Vorschrift für Liegenschaftsvermessungen – überprüft werden müssen. Genutzt wird das Testfeld jedoch von Behörden und Ingenieurbüros aus ganz Oberschwaben. Jens Schmidt von der Stadt Ulm, Abteilung Vermessung, fährt auch einmal im Jahr nach Osterhofen um seine zwei Geräte zu prüfen. Für ihn ist das Osterhofer Testfeld über die B30 recht gut zu erreichen. Die anderen Testfelder sind alle weiter entfernt. Er schafft seine Kontrollmessungen für die zwei Geräte an einem Tag, die Kollegen aus Ravensburg hingegen müssen mehrmals nach Osterhofen fahren, bis alle Geräte geprüft sind.

Info:

Bei vertieftem Interesse an den GNSS Testfeldern in Baden-Württemberg ist die Internetseite des LGL hilfreich.

https://www.lgl-bw.de/unsere-themen/Geoinformation/Geodaetischer-Raumbezug/gnss-testfelder/

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