Konfettizeit – Eine Glosse

Konfettizeit

Papierschnipsel erinnern an glückliche Zeiten

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 13.02.2021

An den zurückliegenden kalten Tagen ist auch ein selten getragener Wintermantel wieder zum Einsatz gekommen. Die Taschen waren nicht ganz leer, denn die Fingerspitzen förderten alsbald ein paar bunte Papierschnipsel zu Tage. Ganz offensichtlich sind sie beim letzten Fasnetsumzug am Rosenmontag 2020 nicht nur in die Haare und ins Genick gefallen, sondern haben auch den Weg hinein in die Manteltaschen gefunden. Jetzt, im zweiten Coronalockdown animiert das Konfetti bei der Wiederauffindung zu einem milde gestimmten Rückblick. Das war beileibe nicht immer so, denn die kleinen bunten Schnipsel hatten in der Tat schon immer die Eigenschaft besessen, sich in entlegenen Ecken festzusetzen, um irgendwann wieder zu Tage zu treten. Keine Kameratasche, in der nicht irgendwo ein Konfetti schlummert, irgendein Ablagefach im Auto bewahrt fast immer ein oder zwei Konfetti auf, im Innenfutter der warmen Winterstiefel verheddern sich die Papierschnipsel und selbst im Geldbeutel, zwischen all den Kunden- und Geldkarten findet sich bisweilen ein buntes Erinnerungsstück.

Dieses Jahr wird das wohl nicht passieren. Die Aussichten erneut im Konfettiregen zu stehen sind definitiv schlecht, obwohl wir kalendarisch betrachtet bereits kurz vor der Hochfasnet stehen und die Zünfte sich landauf landab bei Narrentreffen besuchen würden. Aulendorf wäre zum Beispiel am vergangenen Wochenende Gastgeber für solch ein Treffen gewesen. Hat aber nicht geklappt und auch vom Prinzenwagen in Waldsee wird’s heuer keine Konfetti regnen. Dabei ist gerade erst im letzten Jahr ein kleines Startup Unternehmen mit Saatgutkonfettis auf dem Markt des organisierten Frohsinns getreten. Nach erfolgreichem Fundraising begann die Produktion jener Papierschnipsel, die Saatgut von insgesamt 26 verschiedenen Pflanzen enthielten. Durch Wind, vor allem aber durch fröhliche Narren, sollten die Saatgutkonfetti den Weg auf urbanes Grün finden. Mit bunter Blühpracht im Frühjahr könnte man die Menschen so ein zweites Mal erfreuen und der Biodiversität der Narrenhochburgen wäre außerdem ein Dienst erwiesen. Die Idee der Jungunternehmen aus Kassel hat Charme, aber dieses Jahr sieht der Markt schlecht aus. Vielleicht braucht es einfach noch einen passenden Slogan oder Werbehit, so wie ihn die Sternsinger auch erfolgreich lanciert haben. Anstatt „Es ist Sternsingerzeit“ könnte man den Ohrwurm im Viervierteltakt auf „Es ist Konfettizeit“ umdichten.

AHA und HA,HA,HA – JO WAS SAISCHT AU!

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