Kultur trifft Digital – Filmworkshop

Fünf Sterne von Gloria für Trickfilm Workshop

20 Jugendliche wurden in den Herbstferien zu Filmproduzenten

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 08.11.2021

Story, Regie, Kamera, Licht, Technik und Darsteller – am besten kommt alles aus einer Hand. So geschehen während der Herbstferien in den beiden medienpädagogischen Workshops „Kultur trifft Digital“ die ganz im Zeichen des Films standen. 20 Jugendlichen zwischen neun und dreizehn Jahren waren fix genug, um sich für die gefragten Workshops der Stadtbücherei Bad Waldsee und dem Jugendkulturhaus Prisma anzumelden. Ermöglicht wurde dieses Angebot durch die Stiftung Digitale Chancen, die mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung das Projekt „Kultur trifft Digital“ in ihrem Portfolio hat.

Am Samstagmorgen im Jugendkulturhaus Prisma. Die fünf Mädchen und drei Jungs bauen gerade grüne Leinwände auf großen Stativen auf. Daneben stehen jeweils zwei große Lichtfluter, die den Platz vor der Leinwand erhellen. Die sogenannte Greenscreentechnik steht auf dem Programm. Dabei lässt sich eine beliebige Szene vor der grünen Leinwand filmen und anschließen mit einem beliebigen Hintergrund kombinieren. Möglich macht das eine einfach zu bedienende App auf dem Tablett. Grundwissen zum bevorstehenden Projekt vermittelt Katja Bröckl-Bergner von der Stiftung Digitale Chancen. Qualifiziert als handlungsorientierte Medienpädagogin leitet sie den Workshop. Unterstützt wird sie von Jan Scheurer, der sich als Bibliothekar der Stadtbücherei Bad Waldsee dafür stark gemacht hat, dass während der Herbstferien die Filmworkshops stattfinden konnten. Die Jungs filmen und experimentieren im Foyer an einer fiktiven Nachrichtensendung. Die Mädchen haben sich für einen Science Fiction Kurzfilm entschieden – „Die Schere im Weltall“. Die Kamera begleitet die vierköpfige Crew im Cockpit der Raumfähre auf ihrem abenteuerlichen Flug, der ins Reich der Schere führt (Anm. d. Red. Ein tieferer Sinn ist nicht nötig, Hauptsache es hat Spaß gemacht). Die Mädchen kombinieren dazu die Greenscreentechnik mit der Stop Motiontechnik. Im Abstand von vier Sekunden werden Fotos geschossen. Dazwischen verändern die Darstellerinnen Gloria, Kiara, Joyce und Sophie geringfügig ihre Position. Mit dieser Technik haben die Jugendlichen auch in den Tagen zuvor schon kleine Animationsfilme gedreht. Dabei wurden jedoch Legofiguren, Schleichtiere, Herbstblätter oder kleine, selbstgestaltete Knetfiguren so vor der Kamera bewegt, dass kurze Handlungssequenzen entstanden. „Der Taschendieb“, „The history of skeleton“ oder „Fallende Blätter“ lauten die Titel der selbstproduzierten Kurzfilmchen, für die im Einzelfall bis zu 1000 Fotos geschossen wurden. Niklas, einer der Jungs, hatte bereits vor dem Workshop schon mit der Stop Motiontechnik experimentiert, aber im Kurs hat er gelernt, dass je kleiner die Bewegungen sind, umso hochwertiger sieht der Film aus. Nur dauert es dann auch länger bei der Aufnahme. Auch Bröckl-Bergner bestätigt, dass ein Trickfilm echte Fleißarbeit bedeutet. Dennoch sei es etwas anderes, ob man YouTube Filmchen konsumiert oder selber etwas produziert. So ganz nebenbei bemerken die Jugendlichen dabei auch, was es mit den Urheberrechten und dem Datenschutz auf sich hat, sind auf den Filmen doch mitunter Personen zu sehen und Musik zu hören. Abgesehen von der gemeinsamen Vorführung am Kursende im Beisein der Eltern, ist eine Aufführung nur im privaten Raum möglich. Mit etwas mehr Sensibilität begegnet man nun auch dem Thema Fake News, denn der Einsatz der Greenscreentechnik zeigt, mit wie wenig Aufwand filmische Illusionen erzeugt werden können. Aber das nur am Rande, denn das freie spielerische Experimentieren mit unterschiedlichsten Medientechniken stand im Zentrum der Workshops. Dazuhin waren da genügend Pausen zum Quatschen, Billardspielen und zum gemeinsamen Pizzaessen. Entsprechend ist auch das Resümee der Jugendlichen. Die Jungs sind sich einig, dass es sehr interessant war und für die Mädchen spricht Gloria, die dem Kurs fünf von fünf möglichen Sternen gibt.

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