RaumBlau in Volkertshaus

RaumBlau ermöglicht Begegnungskultur im ländlichen Raum

Landbaukultur Volkertshaus will Netzwerk aus Menschen, Erde, Natur und Kultur fördern

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 26.10.2020

Auf der sonnigen Herbstwiese, zwischen den alten Obstbäumen grasen junge Rinder. Ländliche Idylle pur – so die ersten Eindrücke, wenn man sich dem früheren Hühnerstall auf dem Hof von Sebastian Fenk nähert. In den letzten zwei Jahren, mit  viel Eigenleistung und öffentlichen Fördermitteln, ist hier der RaumBlau entstanden. Den in der Kooperation Landbaukultur Volkertshaus verbundenen Menschen und Betrieben steht nun ein Ort zur Verfügung, an dem Begegnungen und kulturelle Akzente entwickelt werden können.

Die offizielle und feierliche Eröffnung des neu renovierten RaumBlau war am Wochenende mit Grußworten, viel Smalltalk und einem Kulturangebot für alle Generationen und Geschmäcker. Daniel Steiner, der Vorsitzende des Vereins Regionalentwicklung Mittleres Oberschwaben (REMO) überbrachte eine Plakette die zukünftig an der Fassade von RaumBlau darauf hinweist, dass LEADER Fördergelder in das Projekt geflossen sind. Die REMO Geschäftsführerin Lena Schuttkowski erklärt im Gespräch mit der SZ, dass LEADER ein Förderprogramm der EU und des Landes Baden-Württemberg ist, mit dem ländliche Regionen in sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Sicht gestärkt werden. Das von Stefan Grundner betriebene Vorhaben RaumBlau habe sehr gut den Förderbedingungen entsprochen, so dass die Umbauarbeiten mit 13-tausend Euro bezuschusst werden konnten. Bad Waldsees Bürgermeister Matthias Henne beglückwünschte die Akteure Grundner und Fenk für das gelungene Vorhaben und ließ es sich nicht nehmen, tatkräftig mit anzupacken, als ein neuer Hochstammapfelbaum gepflanzt wurde.

Grundner erläuterte den Gästen, dass es ihm wichtig ist eine Verbindungskultur zu etablieren. Fehlende Verbindungen zwischen Mensch und Erde führen zur Ausbeutung der Böden und der Natur, so Grundner. Deshalb gilt es diese Verbindungen zu stärken, wozu in der Kooperation der Landbaukultur Volkertshaus folgende Akteure zusammen gefunden haben: der Biohof Wild und der Ährenhof Giesenweiler, die Solidarische Landwirtschaft Bad Waldsee und Bergatreute. Außerdem stehen auf den Flächen des Hofes Fenk alte Streuobstbäume für Bioapfelsaft, ein Imker lässt seine Bienen fliegen und mit dem Agroforstprojekt wird eine nachhaltige Landbewirtschaftung wiederentdeckt. Grundner will aber auch die Verbindung des Menschen zu sich selbst fördern, weshalb es Yogakurse und Workshops im lichtdurchfluteten RaumBlau gibt. Die Menschen werden flechten, Kräuter verarbeiten, mit Pferden agieren oder weiße Wolle blau färben. Dafür wachsen im angrenzenden Garten die unscheinbaren Blätter des Färberwaid, aus denen der Farbextrakt gewonnen wird.

Einstweilen aber gehörte das Anwesen am Samstag den Freunden und Gönnern, für die ein breit gefächertes Kleinkunstprogramm im Angebot war. In Kleingruppen staunten Kinder und Eltern über die Naturbetrachtungen des Faro Theaters die einen empathischen Blick auf Wildbienen und Maulwürfe lenkten. Marie Fenk zeigte mit energiegeladener Luftakrobatik unter dem Gebälk im RaumBlau eine anmutige Choreografie. Der Clown Stefan Jocham verblüffte Alt und Jung mit seinen Zaubertricks. Lina und Stefan Bohn hingegen brachten mit Cello und Bratsche bisher ungehörte Musik für tiefe Streicher zu den Ohren der Gäste. Zur Abrundung sang Gastgeber Grundner zusammen mit Brigitte Rösler und Gitarrist Luis Coronado das Lied „Fragile“ von Sting. Es ist ein Lied, das der Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz gedenkt.

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Ein Kommentar

  1. Sebastian Fenk
    4. November 2020
    Antworten

    Herzlichen Dank Herr Hermanutz für den umfassenden, verständnisreichen und schönen Artikel mit tollen Photos über das Projekt, das Sie sich solange Zeit genommen haben für das Kommen, das Schreiben und Aufbereiten, wirklich außergewöhnlich heute, ich weiß das zu schätzen.
    Viele Grüße und hoffentlich auf bald.

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