Thomas Volkwein Vernissage

Zeit nehmen für Bilder mit einer erzählerischen Dimension

Barocker, überbordender Gestaltungsdrang des Thomas Volkwein beeindruckt 100 Gäste der Vernissage

Veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 7.10.2019

Die Eingangshalle im Museum im Kornhaus war am Sonntagmorgen zur Vernissage von Thomas Volkwein mit rund 100 Besuchern randvoll. Es war auch einiges geboten, denn da waren nicht nur der Querschnitt durch ein langjähriges, üppiges Schaffenswerk des Künstlers, sondern mit der Musik von Les Braves Cons kamen die Gäste auch gleich noch in einen akustischen Genuss. Holger Renz und Markus Hallstein, beides Freunde und Studienkollegen von Volkwein begeisterten zwischen den Reden mit ihren französischen Chansons, die einen jazzigen Einschlag nicht verhehlen konnten.

Volkwein lebt und arbeitet zwar schon seit zehn Jahren in Bad Waldsee, aber in die Öffentlichkeit als Künstler tritt er mit dieser Ausstellung zum ersten Mal. Dabei hat er in den zurückliegenden 20 Jahren schon zahlreiche Ausstellungen in Berlin, Stuttgart und Nürnberg bestritten. Unter dem Titel „Ein Lächeln auf dem Gesicht“ hat er eine Werkschau zusammengestellt, die einen Überblick aus seinen Werken über das Thema „Bildnisse aus allen möglichen Bildmaterialien“ bündelt, wie er im Gespräch mit der SZ erklärt. Der Bogen seiner Werke reicht stilistisch vom sozialistischen Realismus aus seiner Anfangszeit bis hin zu halbreliefartigen Malereien in denen Volkwein ganz gerne mit PU-Schaum experimentiert. „Ich mag PU-Schaum, seine Farbigkeit im Goldockerton und seine gute Formbarkeit“, so Volkwein.

Johannes Braig, seines Zeichens Künstlerkollege und Besitzer des „Showrooms“ in Ravensburg, konstatierte in seiner Laudatio zur Ausstellung, dass das „Lächeln auf dem Gesicht“ nicht nur die Bildmotive und die davorstehenden Besucher trifft, sondern auch für ein hintergründiges Lächeln des Künstlers Thomas Volkwein steht. In den Bildern, so Braig, herrsche eine enorme Dichte meisterhafter Malerei, die sich zu einer Bühne entwickelt. Eine Bühne, auf der Volkwein Raum lässt für seine Geschichten und für jene Geschichten, die sich aus den persönlichen Erlebnissen der Betrachter entwickeln. Einer dieser  Geschichtengeber war bei Volkwein der in der Jugend vielgelesene Karl May, was zweifelsohne seinen Niederschlag in den akribisch platzierten, kachelgroßen Portraits von Indianerhäuptlingen fand. Bei den großformatigen Bildern handelt es sich hingegen selten um sogenannte „Wohlfühlmotive“, wie eine Besucherin feststellte, also keine Sehnsuchtsmotive, die im heimischen Wohnzimmer zum Träumen einladen. Es sind, so Braig, wuchtige Malereien, die durchaus eine Parallelität zum barocken Gestaltungsdrang Oberschwabens aufweisen. Sind es dazuhin noch neuere Werke, die sich Raum in der dritten Dimension schaffen, so lohnt es vor dem Werk zu verweilen, die Position zu verändern, um festzustellen, dass mit jedem Detail dass sich einem offenbart, eine neue und persönliche Geschichte entsteht. Ähnlich mag es wohl auch Volkwein selber ergehen, denn seine oft hintergründigen Bildtitel entstehen bei ihm meist erst nach der Fertigstellung. Geradezu prophetisch mute in diesem Zusammenhang das zehn Jahre alte Werk „Die Umweltfee entsorgt die wohlfeilen Ratschläge“ an, bemerkt der Waldseer Peter Lutz im Gespräch mit der SZ.

Vom Museums- und Heimatverein eröffnete Brigitte Hecht-Lang offiziell die sehenswerte Ausstellung, die noch bis zum 17. November im Kornhaus während der üblichen Öffnungszeiten zu sehen ist.

Info:

Das Museum im Kornhaus ist geöffnet jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag von 13:30 bis 17:30 Uhr.

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