Boettcher und Kohlhepp Improtheater

Allerbeste Laune – Emotionen pur – Saal tobt vor Begeisterung

Boettcher und Kohlhepp improvisieren genial vor restlos ausverkauftem Haus

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 03.02.2020

Kohlhepp zieht, Boettcher zieht noch mehr und beide zusammen bescherten den Veranstaltern von Kultur am See am Samstagabend ein restlos ausverkauftes Haus am Stadtsee mit 320 Besuchern. Denn Sie wissen (noch) nicht was sie tun benennen Uli Boettcher und Bernd Kohlhepp ihre Show. Ein Titel der das Improvisationstheater schon in sich trägt und doch nicht ganz der Wahrheit entspricht. Denn Boettcher und Kohlhepp wissen natürlich sehr wohl was sie an diesem Abend tun – in 150 Minuten schöpfen sie aus ihrem tiefen Wortwitz, profitieren von einer profunden Allgemeinbildung, sie singen, rezitieren und beherrschen ein ungeheuer variantenreiches Mimikspiel und last but not least ist da natürlich ihre Spontanität mit der sie äußerst unterhaltsam von Spielszene zu Spielszene wandeln.

Spielszene ist ein Schlüsselwort, denn das Improtheater von Boettcher und Kohlhepp ist ein Wettbewerb zwischen linker Publikumshälfte und rechter Publikumshälfte. Wer die beiden kennt, weiß aber auch, dass eine Publikumsbeteiligung nicht mit der Aufteilung in zwei Hälften ausreicht. Keine zwei Minuten sind vergangen und schon hat Kohlhepp mit Otto angebandelt, der zusammen mit seiner Partnerin Silvia an diesem Abend die linke Publikumshälfte vertreten darf. Auch für die rechte Publikumshälfte finden sich mit Berthold und Lydia zwei würdige Vertreter, derweil es Kohlhepp nicht lassen kann, fortwährend mit einer Antje aus der ersten Reihe zu flirten. Der Impro Challenge steht also nichts mehr im Weg und so begeben sich die beiden Hasardeure auf den Parcours durch sechs unterschiedlichste Aufgaben. Ein bisschen Hirnschmalz steckt da schon dahinter, wenn es gilt auf ganz unterschiedliche Art Spontanität zu mobilisieren und dabei auch noch die Stimmung auf durchgehend hohem Niveau zu halten. Harmlos startet Runde eins mit einem Vortrag zur Bullenerziehung im Strafrecht, wobei die Spielvariante „Armrede“ bedeutet, dass Boettcher redet und Kohlhepp hinter ihm steht und mit den Armen gestikuliert. Linguistisches Kauderwelsch bietet das Spiel „Expertenrunde“ zum Schulwesen in Singapur. Emotional wird bereits Spielrunde zwei, die in phantasievollen Spielszenen offenbart, wie sich Silvia und Otto kennen gelernt haben könnten bzw. wie vielleicht Lydia von ihrem Großvater mit Lebensweisheiten ausgestattet wurde.

Weitere Improvisationsspiele waren betitelt mit Kurzlyrik, Liebeslied, ABC-Spiel, Eckenreimen und Diavortrag. Szenischer Höhepunkt waren aber die beiden letzten Spiele Emotionsachterbahn – der Name sagt schon alles – und das Zetteldrama Wintertagtraum nach Shakespeare. Dass bei so viel Spontanität natürlich auch eine gehörige Portion Nonsens produziert wird, dürfte nicht verwundern. Aber das Faszinierende ist, dass dieser Nonsens ungeheuren Spaß bereitet und – das muss man den beiden einfach anerkennend zugestehen – durchaus nicht sinnentleert ist. Ja bei genauem Hinsehen ließen sich sogar gewisse Weisheiten entdecken – aber darum geht es nicht sondern um einen gelungenen Abend, der mit langanhaltenden Applaus honoriert wurde. So bestätigt sich also, dass die zwei nicht einfach zu faul zum Proben sind, sondern dass Boettcher und Kohlhepp der Improvisation zur Anerkennung als  Kunstform einen wertvollen Dienst erweisen.

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