Nachhaltigkeitstag Bad Waldsee 2021

Nachhaltigkeit – ein hipper Begriff für Kopf einschalten

Sehr gute Resonanz auf dem Veranstaltungsgelände auf der Bleiche

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 05.10.2021

Der erste Nachhaltigkeitstag hat den in die Jahre gekommenen Energietag abgelöst und beim Publikum den Nerv der Zeit getroffen. Das neue Forum wurde von 50 Akteuren genutzt und während der sechsstündigen Dauer des Nachhaltigkeitstags waren stets mehrere hundert Besucher anwesend. Was hat es aber nun genau mit dem Modewort Nachhaltigkeit auf sich, das seit geraumer Zeit in aller Munde ist? Was kann oder muss man tun, damit es nicht bei einer leeren Worthülse bleibt, sondern Sinn und Leben aus nachhaltigem Handeln entsteht? Beim Rundgang auf der Bleiche zeigte sich ein ungeahnt breites Spektrum, das weit über den Konsum von Biolebensmittel hinausgeht.

Erfunden haben das Nachhaltigkeitsprinzip die Förster und der Kursachse Hans Carl von Carlowitz prägte 1713 den Begriff der Nachhaltigkeit, was letztlich nichts anderes bedeutete, als dass nur so viel Holz verbraucht wird, wie auch wieder nachwächst erklärt Waldsees Stadtförster Martin Nuber. Auch für Annerose Herm vom Ernährungszentrum ist die Nachhaltigkeit nichts Neues. Der Speiseplan ist nachhaltig, wenn nur regional und saisonal produzierte Lebensmittel auf den Tisch kommen, wenn nur so viel gekauft wird, wie man benötigt und einwandfreie Lebensmittel auch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch verwendet werden. Früher war das selbstverständlich, aber während der letzten beiden Generationen ist für einen Großteil der Menschen der Bezug zum Lebensmittel verloren gegangen. Ein Thema dass sich auch der AK Umwelt des Gymnasiums auf seine Fahnen geschrieben hat.

Kann ein großer Anhänger in dem Hühner geschlachtet werden nachhaltig sein? Er kann, denn am Tag X kommt der Schlachtwagen auf den Hof und der Henne bleibt zwar nicht der Tod, aber immerhin der oft in der Kritik stehende Tiertransport zum Schlachthaus erspart. Hubert und Sandra Schwegler vom Hühnerhof Atzenreute haben den Schlachtwagen entwickelt. Doch ihr eigentliches Metier ist der Verkauf von Eiern, Nudeln und Hühnersuppe direkt ab Hof oder auf dem Waldseer Wochenmarkt – alles kurze Wege. Dass es Bürgermeister Matthias Henne im Angesicht des Schlachtwagens nicht ganz wohl sei, bemerkte er so nebenbei während seines Grußwortes, in dem er den Akteuren große Dankbarkeit für den abwechslungsreichen Nachhaltigkeitstag aussprach.

Nachhaltigkeit ist für Andreas Franke von der gleichnamigen Fahrschule nicht nur „ein hipper Begriff für Kopf einschalten“ sondern spielt auch in seinem Berufsalltag eine Rolle. Umweltschonende Fahrweisen sind seit geraumer Zeit prüfungsrelevant und seit einem Jahr schult er auf einem Tesla, damit die jüngere Generation Autofahrer von Anfang an mit der Elektromobilität vertraut ist. Auch der Finanzberater Anton Sproll von der Volksbank Allgäu-Oberschwaben kennt Nachhaltigkeit als Konzept für die Geldanlage – für 90% der Kunden inzwischen ein wichtiges Kriterium. Das Geld der Investoren fließt also zu Betrieben, die ein sinnvolles Produkt herstellen, die auf den Ressourcenverbrauch für das Produkt achten, bei denen die sozialen Standards wichtig sind, die Unternehmensführung integer arbeitet und vor allem, die Ziele und Pläne zur Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsaspekte im Betrieb haben. Nachhaltiges Mountainbiken gibt es für Daniel Holdenried vom DAV, wenn es ausreichend offizielle Trails wie den Saubadtrail gibt, so dass eine Nutzersteuerung möglich ist und die Trails auf kurzen Wegen, möglichst ohne Auto erreichbar sind. Das zur Nachhaltigkeit auch ein möglichst kleiner ökologischer Fußabdruck gehört, machten die Mitglieder der Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Bad Waldsee deutlich. „Die Älteren müssen die Welt enkeltauglich hinterlassen“ appelliert Helga Lorinser dafür, möglichst viele der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen.

Angenehme musikalische Umrahmung gab es auf der Bleiche durch das Woodlake Jazz Quartett, während es bei den weit verstreut liegenden Aktionsdependancen naturgemäß ruhiger war. Eine davon war die Krankenhauswiese, auf der vom Verein Wildtierrettung mit Kindern eine Rehkitzrettung simuliert wurde.

Bad Waldsee radelt 181.305,6 Kilometer mit dem Fahrrad

Mountainbike Profi Daniel Gathof als Glücksfee

Am Nachhaltigkeitstag am vergangenen Samstag endete in Bad Waldsee die diesjährige Aktion „Bad Waldsee radelt – sicher“ mit der Verlosung der ausgelobten Preise. In der Zeit vom 15. Juni bis zum 15. September haben sich 153 Fahrradfahrer beteiligt. Insgesamt sind 181.305,6 Kilometer – in Worten einhundereinundachtzigtausenddreihungertundfünf Kilometer geradelt.

Bürgermeister Matthias Henne, Brigitte Göppel und Shqipe Karagja führten die Verlosung durch. Unterstützt wurden sie dabei von Mountainbike Profi Daniel Gathof, der als Glücksfee fungierte und die Teilnehmerkarten für die 50 Sachpreise zog. Ohne Glücksfee vergeben wurde hingegen der Preis für den Teilnehmer mit den meisten gefahrenen Kilometern an Heinrich Henne (übrigens, trotz Namensgleichheit weder verwandt noch verschwägert mit dem Waldseer Bürgermeister). Henne erhielt eine Wall-Box, mit der zuhause der Akku eines Elektroautos geladen werden kann. Den ersten Preis, einen Fahrradeinkaufsgutschein über 1000,- Euro gewann Beate Bell. Die weiteren 49 Preisträger werden von der Stadt benachrichtigt. Die beiden Hauptpreise wurden gesponsert von der Firma Thüga Energie und von der Volksbank Allgäu-Oberschwaben  

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