Themenführung Reformation und Gegenreformation

Auf dem Spielfeld der Macht

Themenführung von Michael Barczyk beleuchtet die Reformation und Gegenreformation in Bad Waldsee

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 25.09.2016, Ausgabe Bad Waldsee – Aulendorf

 

Bei der Themenführung zur Reformation und Gegenreformation in Waldsee öffnete Michael Barczyk ein paar Seiten der Geschichte von Waldsee die geprägt war von den drei Machtpolen Adel, Kirche und Bürger. Was als Führung angekündigt war, entpuppte sich jedoch sehr bald als spannende Berichterstattung über das Spiel um die Macht im kleinstädtischen Waldsee zur Zeit der Reformation.

Während des anderthalbstündigen Rundgangs folgten Barczyk 32 Geschichtsinteressierte vom Rathaus zum Schloss und in die Barockkirche St. Peter.

Zu Beginn des 16.Jahrhunderts, also kurz nachdem Luther seine 95 Thesen verkündigt hatte, war die Welt in Waldsee noch in Ordnung. Die wohlhabende Stadt war von Österreich an den Truchseß von Waldburg verpfändet, die Bürgerschaft übte selbstbewusst die hohe Gerichtsbarkeit aus und die Mönche im Chorherrenstift sorgten sich um den rechten Glauben. Obwohl es zu dieser Zeit keine archivarischen Hinweise auf die Reformation in Waldsee gab, schrieben sich bereits 1520 sechs junge Männer aus Waldsee an der Hochschule in Wittenberg ein, um die Vorlesungen von Dr. Martin Luther zu hören. Auch wenn anscheinend nicht viel passiert war, die Lehre Luthers hatte offensichtlich schon sehr früh die kleine oberschwäbische Stadt erreicht, deren Einwohnerregister erstmals 1823 evangelische Bürger nachwies.

Nachweislich reformatorisches Leben in die Kleinstadt kam ab 1530, als eine Gruppe Schweizer Täufer begann die reine Lehre zu verkünden. Unter ihnen war auch Jakob Hottinger, der zusammen mit seinem Bruder und Huldrych Zwingli Zürich reformierte. Die Waldseer haben ihn zum Märtyrer gemacht, die Züricher haben ihm eine Straße gewidmet. Es waren acht Männer und drei Frauen die in Waldsee das direkte Bibelwort und die Gewaltlosigkeit predigten – und deren Worte bei der Bevölkerung Gehör fanden. Denn kurz vor Ostern 1530 schrieb der Probst in großer Sorge an den Truchsess. „Die Täufer wollen am Weißen Sonntag die Reformation durchführen und durch Bildersturm die Pfaffen vertreiben.“ Der Truchsess, Vogt des Stiftes und besser bekannt unter dem Namen Bauernjörg, war nun in der Pflicht. Dazuhin stand er seit der Zeit des Bauernkriegs noch in der Schuld der Waldseer Bürger. Diese hatten 1525 die Familie des Truchsess vor den Bauern gerettet. 1530 nun handelte der Truchsess und schickte am Tag vor dem weißen Sonntag eine Truppe von über 30 Reiter in die Stadt. Dennoch erfolgte am weißen Sonntag der Bildersturm und alle Reiter wurden auf dem Kirchplatz ermordet. An dieser Stelle wies Barczyk die Frage, ob dies das Werk der elf Täufer war oder ob da andere mitgewirkt haben? Tags darauf erschien der Truchsess persönlich mit 700 Mann, war bestürzt ob seiner getöteten Reiter und beendete nun mit militärischer Stärke jegliche Umtriebe der Reformation in Waldsee. Die Täufer jedoch fielen nicht seinem Schwert zum Opfer, sondern er übergab diese in die hohe Gerichtsbarkeit der Bürgerschaft. Die Schweizer werden in Waldsee verurteilt, hingerichtet und verbrannt. Im Prinzip war die Reformation damit in Waldsee Geschichte. Spürbare protestantische Einflüße gab es erst nach 1806 als Waldsee zum Königreich Württemberg kam und der neue König seine protestantischen Beamten aus Stuttgart ins Oberland entsandte.

Die Kirche war in Sorge um ihren Einfluss. Der Truchsess demonstrierte militärische Stärke. Die Waldseer hatten über die elf Täufer zu richten und machten dies mit aller Konsequenz. So hatte jeder der drei Machtpole in der Stadt dem anderen geholfen und die eigene Position gestärkt. Barczyk zeigte in dem gut strukturierten Rundgang die Zusammenhänge auf, welche die lokale Geschichte prägen und im Hintergrund des barocken Oberlandes gespielt haben.

Zum Abschluss hatte Barczyk für seine Zuhörer noch ein besonderes Schmankerl vorbereitet. Zusammen mit seiner Frau Karina Barczyk trug er im Oratorium der Pfarrkirche St. Peter eine sogenannte Kontroverspredigt vor, wie sie in der Barockzeit mancherorts gehalten wurde. Ein katholischer Pfarrer und ein als Protestant verkleideter Katholik stritten sich in einem kontrovers geführten Predigtduell über den Rosenkranz. Die Zuhörer waren gespannt bei der Sache und dankten mit viel Applaus.

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