Ortsgespräch mit Schwester Maria Hanna

Bodenpersonal Gottes fasziniert die Besucher beim achten Ortsgespräch

Generaloberin Sr. Maria Hanna war zu Gast bei Dirk Hasselbacher in der Alten Mälze

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 09.10.2017, Ausgabe Bad Waldsee-Aulendorf

Rund 75 Besucher waren am Samstagabend in der Alten Mälze dabei, als Dirk Haselbacher zusammen mit Schwester Maria Hanna den Dingen im Allgemeinen, dem Leben und dem Glauben im Speziellen, auf den Grund ging. Die eineinhalb Stunden Dialog vergingen wie im Fluge und man hätte den herzhaften Dialogen der beiden Gesprächspartner auf dem Podium durchaus noch länger zuhören können. Mit Haselbacher und Schwester Maria Hanna waren zwei Menschen zusammen getroffen, die eine gemeinsame Spur verfolgten, obwohl sie an diesem Abend ganz unterschiedliche Rollen besetzten. Da war auf der einen Seite Haselbacher, als bestens vorbereiteter Moderator in den zurückliegenden Monaten tief in der Vita seiner Gesprächspartnerin recherchiert hatte und diese mit seinen detaillierten Fragen überraschte. Auf der anderen Seite Sr. Maria Hanna, die als Generaloberin im Kloster Reute die Verantwortung für rund 300 Schwestern trägt und vor Beginn der Veranstaltung sehr treffend bemerkte „Heute geht´s um mich“. In der Tat erfuhr man gleich zu Beginn, dass Sr. Maria Hanna Waldhorn spielt, das Motorradfahren inzwischen aufgegeben hat, gerne Eis isst und ihr erster Berufswunsch Tierärztin war. Doch für die in Franken geborene und in der hohenlohischen Diaspora aufgewachsene Tochter eines Ziegelfabrikanten kam es anders. Zu viele Fragen trieben sie um. Fragen, denen sie auf den Grund gehen wollte. Obwohl ihre Familie „normal katholisch“ lebte, lebten sie anders als das protestantische Umfeld mit der Bibel als tägliches Grundelixier. Warum? Der elterliche Betrieb ging in Konkurs. Warum? Antworten suchte Hanna Maria in der Ausbildung als Bankkauffrau und später dann im Umfeld der Franziskanerinnen. Antworten auf all ihre Fragen fand Maria Hanna in einem Traum, in dem sie am Fuße einer Himmelsleiter stand und in dem Jesus auf all ihre Fragen antwortete „Mir geht es doch um dich!“ Ihr Weg in die Ordensgemeinschaft stieß im familiären Umfeld nicht gerade auf große Begeisterung. Auch sie selber sieht die Entscheidung für ein zölibatäres Leben als eine Entscheidung, durch die sie von Gott reich beschenkt wurde, mit der aber auch der Verzicht auf gewisse Dinge und Menschen einhergeht – „das ist dasselbe, wie in jeder Ehe, in der man sich auch für einen ganz bestimmten Menschen entschieden hat und auf viele andere verzichtet“.

Ein Duett mit zwei Waldhörnern von Klaus und Thomas Rebmann beendete den ersten Teil des Ortsgesprächs, der die Lebens- und Berufungsgeschichte, bis hin zur Wahl als Generaloberin, im Fokus hatte. Etwas allgemeiner ging es nach der Pause weiter. Fragen nach der Missionstätigkeit der Reutener Schwestern, der Rolle des Vatikans und des Papstes standen nun auf der Agenda, aber auch die Rolle der Religionen in der Weltgeschichte. „Ich habe Angst vor allen extremen Menschen, egal was sie glauben“ antwortete Maria Hanna und erntete dafür kräftigen Spontanapplaus im Publikum. Genauso bemerkenswert war die Aussage, „dass wir alle zu unseren dunklen Seiten stehen müssen. Das ist das urchristliche an unserem Glauben“. Schwester Maria Hanna begeisterte an diesem Abend und zeigte, dass das Bodenpersonal von Gott deutlich besser und volksnaher ist, als gemeinhin gemunkelt wird. Es imponierte den Besuchern, das sie sich zwar durchaus an der Seligen Guten Beth und der Heiligen Elisabeth von Thüringen orientiert, aber nichts desto trotz selbstbewusst ihren eigenen Weg geht – „Wir sollen keine Kopien sein, sondern Originale bleiben“. Der Funke ist übergesprungen, denn Haselbacher hat es verstanden, die Energie einer nimmermüden und antriebsstarken Frau im positiven Sinne frei zu setzen. Energie, mit der die Sängerinnen und Sänger des Chores TONart unter der Leitung von Angelika Holzmann die Anwesenden überraschten. „Sister Act“ und das „Halleluja“ von Leonhard Cohen waren die Lieder, die der Veranstaltung das i-Tüpfelchen aufsetzten.

Info: Traditionell wird bei den Ortsgesprächen auf Eintritt verzichtet und stattdessen werden Spenden gesammelt. An diesem Abend konnte Rudi Heilig als Vorsitzender des Vereins Suppenküche Klosterstüble dankbar 455,- Euro in Empfang nehmen.

Beiträge

Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert